Praktika richtig nutzen

Mach was draus!

published: 12.04.2006

Mach was draus! Gehe motiviert in dein Praktikum und hole das Optimum für dich heraus (Foto: shutterstock.com/Goodluz) Mach was draus! Gehe motiviert in dein Praktikum und hole das Optimum für dich heraus (Foto: shutterstock.com/Goodluz)

Ein erfolgreiches Praktikum kann deine Eintrittskarte für den ersten Job sein. Doch nur, wenn du das Praktikum aktiv gestaltest und in Arbeitsprozesse integriert wirst, hat sich die Zeit in einem Unternehmen wirklich gelohnt. Wie sollte man sich in einer Firma oder Einrichtung als Studierende(r) verhalten, um aus einem Praktikum das Optimum herauszuholen?

Das „perfekte“ Praktikum
Ganz klar, jeder möchte gerne sein „Lieblingspraktikum“ abgreifen. Da hilft nur eins: Wer zuerst kommt, „lernt“ zuerst. Ein Praktikum solltest du daher von langer Hand planen. Gerade bei großen und begehrten Unternehmen ist es empfehlenswert, sich mindestens ein Jahr vor dem gewünschten Beginn zu bewerben. Ein Auslandspraktikum sollte sogar noch längerfristig vorbereitet werden.

Der Erfolg eines Praktikums hängt in erster Linie von den Tätigkeiten ab, die dir anvertraut werden. Machst du lediglich mit der Kaffee- und der Kopiermaschine Bekanntschaft? Oder bekommst du vielleicht zu viel Verantwortung übertragen, sodass du dich überfordert fühlst und kapitulieren musst?

Das ideale Praktikum wäre der goldene Mittelweg zwischen diesen beiden Extremen. Kleine Hilfsarbeiten und Botengänge solltest du ohne Murren zuverlässig erledigen, sie dürfen jedoch nicht deine Hauptaufgaben sein. Es ist ein gutes Zeichen, wenn das Praktikum vergütet wird. Dann ist es sehr wahrscheinlich, dass du an einem Projekt mitarbeitest und kleine, verantwortungsvolle Aufgaben bekommst.

Übrigens gibt es auch rechtliche Unterstützung, denn dein Arbeitgeber hat dir gegenüber Ausbildungspflichten. Er muss dem Lernenden die Gelegenheit geben, das erforderliche Wissen bzw. Fertigkeiten für Studium und Beruf zu erwerben. In einem Praktikumsvertrag werden die gegenseitigen Leistungen und Pflichten festgehalten. Hier sind dein Einsatzbereich, deine Vergütung, die Dauer des Praktikums, Sozialleistungen und eventueller Urlaub zu vermerken. Auch Hinweise zur Haftung für Schäden finden sich in diesem Vertrag.

Die beste Wahl
Was willst du mit dem Praktikum erreichen? Bevor du deine Bewerbungen losschickst, musst du zunächst deine Ziele definieren. Nicht jedes Praktikum ist wirklich sinnvoll. Meist geht es Praktikanten darum, ihre Hochschulausbildung zu vervollständigen und die beruflichen Chancen zu verbessern. Es gibt jedoch noch andere Gründe: Willst du mit dem Praktikum konkrete Berufsperspektiven „testen“? Oder vielleicht einer bestimmten Branche, einem Unternehmen oder einer Tätigkeit auf den Zahn fühlen? Durch ein Praktikum kannst du herausfinden, ob deine Vorstellungen vom späteren Beruf mit den Erfahrungen in der Praxis übereinstimmen. Lege dich im Praktikum nicht auf einen Aufgabenbereich fest, wenn du später noch verschiedene Wahlmöglichkeiten haben möchtest.


Willst du im Rahmen deines Praktikums eine Abschlussarbeit schreiben, muss deine Tätigkeit auf jeden Fall praxisrelevant sein und den nötigen „Stoff“ liefern. Brauchst du das Praktikum, um deine Ausbildung zu vervollständigen? Dann stelle sicher, dass dir die speziellen Kompetenzen und Kenntnisse für deinen späteren Beruf auch vermittelt werden. Kläre am besten im Vorfeld Tätigkeiten, Dauer und Vergütung des Praktikums. Bist du bereits am Ende des Studiums und planst einen Jobeinstieg? Dann bemühe dich in erster Linie darum, Kontakte zu knüpfen und dich aktiv in den Arbeitsalltag einzubringen. Dass du auch zeitliche und finanzielle Aspekte für dein Praktikum berücksichtigen musst, versteht sich von selbst.

Um die richtige Wahl zu treffen, ist auch die Größe des Unternehmens wichtig: In einer kleinen Firma werden Praktikanten häufig in den Unternehmensablauf integriert. Ein großes, bekanntes Unternehmen macht sich hingegen gut auf dem Lebenslauf. Auch ist es zur Orientierung hilfreich, in die verschiedenen Abteilungen eines größeren Unternehmens hineinzuschnuppern und die Abläufe näher kennen zu lernen. Es kann jedoch sein, dass dir hier nur weniger anspruchsvolle Aufgaben zugemutet werden. Ein „anonymes“ Umfeld ist daher für aufgeschlossenen Charaktere besser geeignet, die jede Menge Eigeninitiative zeigen.

Fünf „goldene“ Regeln
Für dein Praktikum gelten prinzipiell dieselben Regeln wie für einen festen Job. Pünktlichkeit, Höflichkeit, Ehrlichkeit, Respekt und Verantwortungsbewusstsein sind daher selbstverständlich. Doch was ist mit den Benimmregeln? Früher war es relativ einfach, sich am Arbeitsplatz korrekt zu verhalten. Heute aber sieht man vieles nicht mehr so streng. Gerade bei jungen Unternehmen herrschen lockere Vorschriften fürs Outfit, man duzt sich, oder benutzt das „Sie“ und gleichzeitig die Vornamen. Was also tun, wenn man weder spießig noch unhöflich wirken will?

1. Tritt lieber konservativ auf!
Egal, welcher Altersgruppe du begegnest, am ersten Tag des Praktikums solltest du zunächst alle Mitarbeiter siezen. Gelten andere Formen der Ansprache, wird man dich schon darauf hinweisen und dir das „Du“ anbieten. Allgemein gilt: Auch heute noch bietet dir der Ranghöhere das „Du“ an und gibt dir zuerst die Hand. Allerdings grüßt du alle Mitarbeiter zuerst, denn in der Rangfolge befindest du dich als Praktikant auf der untersten Stufe.

2. Kleide dich angemessen!
Der beste Trick besteht darin, bereits beim Vorstellungsgespräch einen Blick auf die Mitarbeiter und deren Kleidung zu werfen. Lieber am ersten Tag „overdressed“ als unangemessen leger.

3. Zeige Interesse!
Erwarte nicht, dass man auf dich zukommt. Beweise dein Engagement, indem du mitredest, egal ob in der Mittagspause oder im Meeting. Gehe während deines Praktikums auf so viele Mitarbeiter wie möglich zu und befrage sie zu ihrer Tätigkeit. Interessante Aufgaben kommen nicht von selbst. Hier gilt es nachzuhaken und dich anzubieten.


4. Nicht lästern!
Vorsicht: Private Lästereien sind immer unangebracht, auch wenn die Kollegen untereinander über den Chef stöhnen – halte du dich lieber raus! Schütze desgleichen dein Privatleben und stöhne nicht über finanzielle Probleme oder Ärger in der Uni. Und: Reagiere gelassen auf Kritik und halte dich selbst mit Kritik zurück.

5. Plaudere keine internen Infos aus!
Rundschreiben, Analysen, Projektpläne oder dergleichen sollten nicht das Haus verlassen bzw. weitergemailt werden. In vielen Verträgen gibt es hierüber direkt eine Klausel, doch auch wenn nicht, wird von dir Stillschweigen erwartet – sonst droht die fristlose Kündigung oder sogar eine Klage.

Das Praktikum als Sprungbrett
Ein Praktikum ist die beste Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen: zu Kollegen, Vorgesetzten, Geschäftspartnern und anderen Praktikanten. Daraus ergibt sich vielleicht eine Diplomarbeit, ein Nebenjob oder sogar der Berufseinstieg. Besonders wertvoll ist ein guter Draht zu Sekretärinnen und Assistenten: Oft haben diese wichtige Informationen zu Stellenausschreibungen oder andere Neuigkeiten. Also: Verkriech dich nicht still hinter deiner Arbeit, sondern geh auf die Menschen zu und bau ein Netzwerk an Chancen auf. Schau dafür ruhig in anderen Abteilungen vorbei!

Zeige deine Motivation, indem du über das Erwartete hinaus etwas leistest. Engagiere dich hin und wieder auch nach Feierabend – so machst du auf dich aufmerksam. Fällst du durch deine Leistung auf, bleibst du dem Chef im Gedächtnis. Integriere dich ins Team, erledige Routinearbeit zuverlässig, frage bei Unklarheiten sofort nach und zögere nicht, auch mal Hilfe anzufordern. Hast du eine Arbeit erledigt, dann lass dir unbedingt ein Feedback geben: Nur so kann deine Leistung wirklich beurteilt werden und der gewünschte Lerneffekt tritt ein. Daher ist es wichtig, dass dir ein zuständiger Betreuer zur Seite steht, der stets ein offenes Ohr für dich hat. Perfekt wäre natürlich ein internes Fortbildungsprogramm. Frage bei deinem Vorstellungsgespräch bereits danach.

Da niemand ahnen kann, ob dir die Arbeit in dem Unternehmen wirklich gefallen hat, solltest du zum Ende des Praktikums das Gespräch suchen. Teile deinem Betreuer oder Chef dein Interesse an einem Job mit. Bleibe mit deinen Kollegen locker in Verbindung: Denke an Geburtstage, frage von Zeit zu Zeit nach Neuigkeiten und halte dich so im Gespräch.

Das qualifizierte Zeugnis
Das beste Praktikum nutzt nichts, wenn du deine Leistungen nicht belegen kannst. Daher lass dir unbedingt ein qualifiziertes Zeugnis ausstellen, auf dem deine Tätigkeiten, Fähigkeiten, Leistungen und dein Engagement festgehalten werden.

Häufig werden Klauseln verwendet, die dir nicht viel sagen, die jedoch von zukünftigen Arbeitgebern „entschlüsselt“ werden. Sei daher aufmerksam: Sagt eine Formulierung etwas Negatives aus, hast du das Recht, diese streichen zu lassen. Auch dürfen im Zeugnis keine Bemerkungen zu Fehlzeiten, Abmahnungen, Vorstrafen, Behinderungen, Parteizugehörigkeiten oder zur Konfession enthalten sein. Und: Für das Zeugnis sind bestimmte Fristen einzuhalten, also mach dich schlau!

[Melanie Eberlein]

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