Auf Pump durchs Studium

Studenten-Kredite

published: 12.07.2012

Mit leeren Taschen studieren? Vielleicht helfen Studentenkredite (Foto: shutterstock.com/Chamille White) Mit leeren Taschen studieren? Vielleicht helfen Studentenkredite (Foto: shutterstock.com/Chamille White)

Längst ist das alte Studentenimage vom akademischen Nichtstuer überholt. Auch wer in seinem Leben keine Universität von innen gesehen hat, weiß hoffentlich: Studieren ist heute kein Kinderspiel. Das liegt vor allem an der finanziellen Situation, in der sich die meisten Studenten befinden. Wenn dann die Unterstützung durch die Eltern nicht möglich ist - aus welchen Gründen auch immer – müssen sich viele Studenten einen Job suchen, der oft über das normale Maß hinausgeht. Die Folgen: Oft leidet das Studium unter dem ewigen Jobben, weil der angehende Akademiker im Extremfall mehr Zeit mit Geld verdienen verbringt als mit Vorlesungen oder Seminaren.




Der Teufelskreis ist bekannt und wurde viel diskutiert: Die Regelstudienzeit ist für die meisten Studenten nicht einzuhalten, unter umständen wird der Job wichtiger als die Ausbildung. Dazu kommt, dass die staatliche Finanzspritze für Studenten, das BAföG, in der Höhe längst nicht mehr der sozialen Realität entspricht. Besonders in den Großstädten sind Mieten und Lebenshaltungskosten derart hoch, dass sich mit BAföG-Zahlungen alleine kein akademischer Blumentopf gewinnen lässt.

Die Miesserie haben inzwischen auch solche erkannt, für die die Probleme der Studenten bisher weniger interessant waren: die Banken. Seit einiger Zeit bieten viele Kreditinstitute die Finanzspritze für den Hochschüler an. Unikosmos stellt euch die wichtigsten Kreditinstitute vor und sagt, worauf ihr achten müsst.




Der Student als neuer Kunde

Nun wurden die Studenten von den Banken also als lohnende Zielgruppe ausgemacht. Jetzt wo an vielen Hochschulen über die Einführung von Studiengebühren nachgedacht wird oder sogar schon Beträge von einigen hundert Euro gezahlt werden müssen, scheint das staatliche Förderungssystem endgültig an seine Grenzen zu stoßen, auch wenn die Bundesländer zur Einführung der Gebühren selbst günstige Kredite anbieten wollen. Nur 24 Prozent der Studenten erhalten überhaupt BAföG. Da klaffe eine Lücke, die die Banken schließen wollen, sagte KfW-Vorstandssprecher Hans W. Reich einem deutschen Magazin. Mit den Studiengebühren wird es auch vielen Eltern schwer fallen, ihren Sprösslingen das Studium zu finanzieren. Der Bedarf für solche Darlehen ist also da, keine Frage. Nach Berechnungen von Leander Hollweg, Inhaber der Beratungsgesellschaft Tenman, geht es bei den Studienkrediten um ein jährliches Finanzierungsvolumen von knapp einer halben Milliarde Euro.

Das gute an den Krediten: Ähnlich wie beim BAföG kann sich der Student mit der Rückzahlung Zeit lassen und muss nicht gleich mit der Rückführung beginnen. Auch die Ratenlaufzeit ist oft länger veranschlagt als bei normalen Privatkrediten.




Der Kredit der KfW-Bankengruppe

Einer der größten Anbieter von Studentenkrediten ist die staatliche KfW-Bankengruppe. Finanzexperten gehen davon aus, dass sie bei der künftigen Bildungsfinanzierung eine wichtige Rolle spielen wird, da die Bank bereits seit zehn Jahren aktiv ist.

Aktuell bietet das Unternehmen den "Bildungskredit" oder "KfW-Studienkredit" an.
Studenten können im Rahmen dieses Darlehens erst seit Anfang Mai 2006 bis zu 650 Euro monatlich im Erststudium erhalten. Allerdings will die Bank einen Leistungsnachweis über die erbrachten Scheine ab dem sechsten Semester und zahlt nur bis zum zehnten Fachsemester. Danach wird der Kredit nur weiter ausgezahlt, wenn der Nachweis des baldigen Abschlusses erbracht werden kann. Grundsätzlich sind Aufbaustudiengänge von der Förderung ausgeschlossen. Ein Masterstudiengang im Anschluss an den Bachelor wird aber gefördert. Der Zinssatz beträgt 5,1 Prozent.

Ein weitere Möglichkeit sich von der KfW-Bank finanzieren zu lassen, ist das "BAföG-Bankdarlehen". Das Darlehen soll zur Überbrückung der Zeit nach dem Auslaufen des staatlichen BAföG dienen. Nach Angaben der KfW nahmen 2003 rund 12 200 Studenten den Bildungskredit in Anspruch, das Zusagevolumen erreichte knapp 66 Millionen Euro. Das "BAföG-Bankdarlehen" hat ein Volumen von rund 23 Millionen Euro. Alle KfW-Förderaktivitäten im Bereich Bildung addierten sich auf knapp 780 Millionen Euro.




Einige Banken werden offenbar auf eigene Angebote verzichten, aber als Vermittler des KfW-Studienkredites auftreten. Diverse Sparkassen wie auch die Volks- und Raiffeisenbanken werden zusätzlich oder ausschließlich den KfW-Studienkredit anbieten.
Auch die Citibank, die Norisbank und die Postbank denken über eine Vermittlung der KfW-Kredite nach, haben aber noch keine konkreten Pläne.

Sparkassen, Dresdener Bank, Deutsche Bank

Unter dem Slogan "Konzentrieren sie sich lieber auf das Wesentliche" bietet die Hamburger Sparkasse einen Kredit speziell für Studenten an. Hochschüler können dort bis 450 Euro monatlich erhalten, dürfen aber nicht älter als 30 Jahre sein. Je nach Sparkasse variieren die Angebote aber stark. Einige Sparkassen bieten auch bis zu 500 Euro monatlich an, bei kurzer Förderungsdauer können die Beträge aber höher sein. Will man sich von einer Sparkasse unterstützen lassen, müssen Studenten eine Bonitätsprüfung über sich ergehen lassen. Ohne einen negativen Schufa-Eintrag sollte es bei der Kreditvergabe aber keine Probleme geben. Der Zinssatz beträgt bei den Sparkassen etwa sechs Prozent.

"Das Angebot kommt bei den Studenten sehr gut an, sagt Christoph Doebbelin von der Haspa. "Wir führen etwa 100 Gespräche pro Woche und die ersten Kredit-Auszahlungen laufen bereits." Genaue Zahlen will die Hamburger Bank aber erst zum Wintersemester 2006 veröffentlichen, wenn der Kredit ein Jahr lang läuft. Doch ein anderer Mitarbeiter der Hamburger Bank bremst die Euphorie um den Studentenkredit etwas. Zwar würden sich bei ihm wöchentlich zwischen zehn und 15 Studenten nach dem Darlehen erkundigen, viele Kredite würde die Bank dann aber doch nicht vergeben. Daran wären die vielen Kriterien Schuld, die die Studenten vor der Auszahlung der ersten Monatsrate erfüllen müssten. "Bei vielen führt ein Schufa-Eintrag oder die schlechte Kontoführung dazu, dass sie abgelehnt werden. Insgesamt müssen die Studenten etwa zehn Kriterien erfüllen", sagt der Kundenbetreuer.

Komplizierter wird die Sache beim "FlexiStudienkredit" der Dresdner Bank. Hier dürfen Studenten bei Studienbeginn nicht älter als 23 Jahre gewesen sein, bei einer vorherigen abgeschlossenen Berufsausbildung 26 Jahre. Weitere Kriterien für eine Kredit-Vergabe seitens der Bank sind mögliche weitere Schulden. Die dürfen bei Studenten mit Ausnahme des BAföG nicht höher als 1000 Euro betragen. Dafür fördern die Banker auch Studenten, die ein Aufbaustudium absolvieren möchten. Bei der Rückzahlung variieren die Zinssätze. Im Grundstudium verlangt die Bank 8,99 Prozent, im Hauptstudium 6,99 Prozent. Monatlich will die Dresdner Bank, deren Kredit seit dem 18. April 2006 gezahlt wird, bis zu 600 Euro auszahlen.




Im Mai 2005 kündigte die Deutsche Bank an, ebenfalls ein Studienkredit-Programm aufzulegen. Der "db StudentenKredit" umfasst in den ersten beiden Semestern monatliche Beträge bis zu 200 Euro, bei höheren Semestern bis zu 800 Euro. Bis zum Ende des Studiums dürfen mit Zinsen und anderen vorhandenen Krediten nicht mehr als 30.000 Euro Schulden auflaufen. Auch hier ist eine Schufa-Auskunft obligatorisch. Darüber hinaus wollen die Kreditgeber einen Studienplan vorgelegt bekommen und das Studium muss an einer staatlich anerkannter Hochschule absolviert werden. In den höchstens fünf Jahren Laufzeit darf die Regelstudienzeit nicht um mehr als drei Semester überschritten werden. Auch bei der Deutschen Bank müssen die Antragssteller unter 30 sein. In der Auszahlungsphase betragen die Zinsen zur Zeit 5,9 Prozent. Mit Rückzahlungsbeginn werden die aufgelaufenen Schulden über einen neuen Kredit aufgefangen. Dort kann der gültigen Zinssatz aber deutlich höher sein.

Neue Kreditmodelle

Noch sind Studienkredite eine recht junge Angelegenheit, um sich das Studium zu finanzieren. Zwar haben die meisten Banken inzwischen eigene Studentenkredite entwickelt, trotzdem steckt die Vergabe von Darlehen aus dem privatwirtschaftlichen Bereich noch in den Kinderschuhen.
Ein Umstand, den Wirtschaftsberater wie die Firma Tenman erkannt haben. Zur Zeit arbeitet das Beratungsunternehmen an Modellen für Bildungskredite für Studenten. Die Firma hat ein Ratingsystem für Studenten aufgebaut das Tenman nun europäischen Großbanken anbieten will. Dort soll die Kreditwürdigkeit von jedem Studenten anhand von späteren Einkommenserwartungen, Ansehen der Universität und den Markchancen des angestrebten Berufs abgeschätzt werden. Über eine geschützte Homepage sollen Studenten per Internet dann schon bei ihrer Einschreibung an einer Hochschule einen Kredit beantragen können.

Tenman will in nächster Zeit eine erste Kooperation mit einer ausländischen Bank bekannt geben. Mit weiteren Instituten ist der Berater im Gespräch. Der Vorteil des Systems sei die Möglichkeit für die Banken, die Kredite später zu verbriefen und am Kapitalmarkt zu platzieren, behauptet das Untenehmen. Als mögliche Käufer sieht er beispielsweise Versicherungen. Für die verstärkte private Altersvorsorge wären Anleihen, die auf Bildungskrediten aufbauen, eine attraktive Anlagemöglichkeit, urteilen die Experten.

Alles Gold, was glänzt?

Was also bringen die neuen Kredite? Auf jeden Fall solltet ihr vor Abschluss eines Kreditvertrags das Kleingedruckte lesen. Denn über eine Sache sollte man sich keine Illusionen machen:
Banken sind private Wirtschaftsunternehmen, die Profit orientiert arbeiten. Und da machen sie auch bei Studenten keine Ausnahmen. Davon zeugen auch ordentliche Zinssätze, die bei der Deutschen Bank mit unter sechs Prozent noch recht günstig veranschlagt sind. Trotzdem kommen hier bei der Förderung über mehrere Jahre beachtliche Summen zustande. Würde man die 30.000 Euro während des Studiums wirklich ausschöpfen, müssten plus Zinsen Beträge im Bereich von 45.000 Euro oder mehr innerhalb von 12 Jahren zurückgezahlt werden. Zusätzlich können die Zinssätze in den Phasen Auszahlung und Rückzahlung stark variieren. Hier sollte ihr euch vor Vertragsabschluss unbedingt genau informieren und euch ein Beispiel-Modell vorrechnen lassen.




Dazu kommt, das die meisten Banken ihre Darlehen nur als zusätzliche Finanzspritze sehen. Von monatlich 500 Euro kann wohl kein Student wirklich seinen Lebensunterhalt bestreiten.
Zahlreiche einschränkende Kriterien wie Alter oder vorherige Schulden machen die Vergabe zusätzlich schwierig und lassen die Vergabe eines Kredits wie die Auswahlverfahren für einige Stipendien erscheinen.

Doch trotz aller Kritik kann ein Studentenkredit sinnvoll sein. Immerhin bietet er als einziges Förderungsmodell ein monatliches Darlehen, das unabhängig vom Einkommen der Eltern ist. Um das für euch beste Modell zu finden, sollet ihr euch unbedingt bei möglichst vielen Banken nach den aktuellen Angeboten genau erkundigen.

Mit der Einführung der Studentenkredite schielt nun auch die deutsche Kreditwirtschaft Richtung anglo-amerikanisches Studiensystem. Nachdem in den letzten Jahren etliche Master- und Bachelor-Studiengänge eingeführt worden sind, gleichen sich die Studiensystem nun auch in Punkto Finanzierung an. Auf die Dauer ist allerdings zu befürchten, das so das staatliche BAföG-System ganz verschwinden wird. Die Gefahr besteht, dann nur noch von einem rein wirtschaftlich denkenden Modell abhängig zu sein. Die soziale Komponente des BAföG würde völlig wegfallen.

In den USA hat eine Arzt nach den Ende seines Studiums etwa
150.000 Dollar Schulden. An solche Beträge müssen sich wohl auch die deutschen Studenten langsam gewöhnen.

[Jörg Römer]

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