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Der erste Arbeitsvertrag

Ein Buch mit sieben Siegeln? - Teil 2

published: 26.10.2006

Sabine Hockling kennt die Rechte des Arbeitnehmers  (Foto: Public Address) Sabine Hockling kennt die Rechte des Arbeitnehmers (Foto: Public Address)

Egal ob erster richtiger Job, Minijob oder Praktikum - was gehört eigentlich in den Arbeitsvertrag und welche Ansprüche hat man überhaupt? Mit solchen Fragen sollte man sich spätestens vor einem Bewerbungsgespräch gründlich auseinandersetzen. Einen guten Überblick zu diesen Themen bietet das Taschenbuch „Arbeitsrecht“ von Sabine Hockling und Ulf Weigelt. In sechs Kapiteln beschäftigt es sich mit den Bereichen „Arbeitsvertrag“, „Arbeitsplatz“, „Gehalt und Leistungen“, „Kündigung“, „Jobwechsel und Bewerbung“ sowie „Betriebsrat und Sozialplan“.

Im Interview beantwortet die Autorin und Wirtschaftsredakteurin Sabine Hockling schon mal die wichtigsten Fragen. Sie informiert euch über die Rechte ohne Arbeitsvertrag, angemessene Bezahlung und geschickte Verhandlungen mit dem Chef.

Was passiert, wenn der Arbeitgeber mir keinen Arbeitsvertrag gibt? Ich arbeite zwar und werde auch bezahlt, habe aber keinen schriftlichen Vertrag.
Sabine Hockling: „Da haben Sie das Gesetz auf Ihrer Seite, denn der Arbeitgeber muss spätestens nach vier Wochen einen schriftlichen Nachweis erbringen, dass Sie für das Unternehmen tätig sind. Das ist auch in dem so genannten Nachweisgesetz geregelt, Sie können also darauf pochen. Selbst wenn Sie ohne Arbeitsvertrag anfangen und es kommt zum Streitfall, stehen Ihnen alle wichtigen Ansprüche zu. Diese ergeben sich dann aus dem jeweiligen Gesetz. Wenn Sie vor Gericht gehen, haben Sie auch einen Kündigungsschutz (Betrieb beschäftigt mehr als zehn Mitarbeiter und Sie sind länger als sechs Monate dabei) und Ansprüche auf das Urlaubsgeld, das Gehalt und die Bezüge. Man arbeitet zwar ohne Vertrag, hat aber die gleichen Ansprüche wie jemand mit Vertrag. Denn im Arbeitsrecht gilt der sog. Gleichbehandlungsgrundsatz.“

Wie verhält man sich denn am klügsten, um das Recht, das man hat, auch durchzusetzen?
„Der erste Schritt sollte ein persönliches Gespräch sein, in dem man sagt, dass man gerne die mündlichen Vereinbarungen schriftlich fixieren würde und dass man darauf wartet. Das würde ich das erste Mal mündlich machen und danach nur noch schriftlich, damit man etwas in der Hand hat, wenn es zum Streitfall vor Gericht kommt. Das sollte innerhalb der ersten vier Wochen geschehen, spätestens danach. Wenn vorhanden, würde ich den Betriebsrat einschalten. Es ist immer besser, einen Betriebsrat zu haben, da der verpflichtet ist, sich für die Mitarbeiter einzusetzen. Man selbst kann sich entspannt zurücklehnen, während der sich mit dem Arbeitgeber streitet.“

Als Neuling will man aber ungern Ärger machen.
„Naja, Ärger macht man ja nicht, man verlangt nur etwas, was einem zusteht. Gerät man an einen Arbeitgeber, der das als negativ empfindet, dann würde ich für dieses Unternehmen gar nicht arbeiten wollen. Das würde ja letztendlich bedeuten, dass dieser Mensch Versprechungen macht und sie wohl nicht einhalten will. Und schließlich können Sie auch immer das Argument anbringen, dass ein Arbeitsvertrag auch für beide Seiten Rechtsicherheit und –klarheit schafft.“

Zur wichtigen Frage der Bezahlung. Wenn ich mein Gehalt aushandele, woher weiß ich, wie weit ich gehen kann und was angemessen ist?
„Ich würde jedem raten, vorher gut zu recherchieren. Bei Tarifverträgen ist klar, dass das Tarifgehalt bezahlt wird. Wenn man gut verhandelt, bekommt man eine übertarifliche Zulage, die auch so im Arbeitsvertrag steht. Da steht dann etwa ´Tarifgehalt 2000 Euro, übertarifliche Zulage 500 Euro`. Das wird gesondert aufgelistet, weil Unternehmen an den Tarifvertrag gebunden sind. Wird vereinbart, dass das Gehalt für Zeitschriftenredakteure dieses Jahr um 1,5 Prozent steigt, dann muss das Unternehmen die 1,5 Prozent zahlen. Wird man übertariflich bezahlt, kann das Unternehmen so lange die Gehaltserhöhung aussetzen, bis man wieder an der Tarifsumme dran ist. Denn das Unternehmen wird garantiert eine Klausel aufnehmen, dass Tariferhöhungen zunächst auf die übertarifliche Zulage anzurechnen ist. Hat man keinen Tarifvertrag, kann man im Internet recherchieren, was üblich ist. Häufig wird das Gehalt nach Berufserfahrung oder Berufsjahren gegliedert. Zusätzlich würde ich immer versuchen, mit einer Forderung von 300 Euro mehr in die Verhandlung zu gehen, weil man immer heruntergehandelt wird.“

Man sollte also 300 Euro mehr verlangen als man will?
„Ja, eigentlich sogar 500 Euro, weil man definitiv runtergehandelt wird. Wenn man allerdings noch nicht so erfahren oder ein bisschen schüchtern ist, dann sollte man mit 300 Euro mehr reingehen und versuchen, zumindest 100 Euro mehr rauszuholen. Ich würde pokern und dabei versuchen, ganz charmant zu bleiben.“

Was gibt es für Tipps, um diese Verhandlungen erfolgreich zu führen?
„So ein Gespräch dauert in der Regel nicht besonders lange. In einem Bewerbungsgespräch ist das Gehalt immer am Ende dran. Wichtig ist, mündlich zugesagte Gehaltserhöhungen immer schriftlich zu fixieren. Angenommen, in einem Bewerbungsgespräch wird eine Summe X vereinbart, die nach erfolgreich bestandener Probezeit um 500 Euro erhöht wird. Weigert sich der Arbeitgeber, das in den Arbeitsvertrag aufzunehmen, will er es vielleicht gar nicht zahlen oder sich die Zahlung offen halten. Bei einer Gehaltsverhandlung gibt es erst Geplänkel und dann geht es relativ fix zur Sache. Ich würde mir drei starke Argumente suchen und das stärkste ganz zum Schluss bringen. Der Chef wird immer etwas dagegen setzen, aber wenn man das stärkste und wichtigste Argument zum Schluss bringt, ist es häufig so, dass er sich geschlagen gibt. Ich würde auch immer bestimmend auftreten und signalisieren: ‚Ich bin gut und ich finde, mir steht jetzt auch mehr Geld zu.’ Wichtig ist aber auch, immer charmant zu bleiben. Man sollte nicht verbohrt wirken, weil sich das Gespräch dann ganz schnell festfahren kann. Dann blocken beide Seiten ab, gehen aus dem Gespräch und verlieren. Man möchte ja auch das Gesicht wahren, wenn seine Forderungen nicht ganz erfüllt werden.“

Und wenn der Arbeitgeber auf Kollegen hinweist und beispielsweise sagt: 'Herr X bekommt auch nur so und so viel Geld, Sie wollen ja wohl nicht sagen, dass der schlechter arbeitet?'?
„Das sollte man immer abblocken. Man kann dann sagen: ‚Um Kollege X geht es hier jetzt nicht, es geht um mich, und ich möchte mir nicht anmaßen zu bewerten, wie mein Kollege arbeitet. Ich kann nur meine Argumente ins Gespräch einbringen und ich möchte, dass das hier bei uns bleibt und kein Vergleich stattfindet. Mit jemandem, der mehr Geld verdient, möchte ich mich ja auch nicht vergleichen.` Man sollte bei sich bleiben und seine positiven Eigenschaften und das, was man für das Unternehmen bringt, ansprechen.“

Was ist Ihr wichtigster Tipp für jobbende Studierende und Berufsanfänger?
„Bei einem Bewerbungsgespräch bereiten sich ja die meisten häufig nur darauf vor, über sich, eigene Qualifikationen und den Werdegang zu reden und das alles schön zu präsentieren. Ich würde genauso viel Energie in der Vorbereitung auch auf den Vertrag verwenden. Es lohnt sich.“

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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