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Nachgedacht: Nebenjob

Wir sind jung und brauchen die Erfahrung

published: 11.05.2015

Du brauchst Geld? 63 Prozent aller Studenten haben einen Nebenjob (Foto: Chamille White/Shutterstock.com) Du brauchst Geld? 63 Prozent aller Studenten haben einen Nebenjob (Foto: Chamille White/Shutterstock.com)

Arbeit nervt. Das wissen wir nicht erst seit dem berühmten Deichkind-Song. Leider kommt man nur selten um sie herum. Vor allem im Studium steht man vor der Entscheidung: Nebenjob – ja oder nö? Man könnte auch easy einen Kredit aufnehmen und das Studentenleben so richtig auskosten. Dies ist ein Plädoyer dafür, den Kreditantrag schnellstens zu zerreißen – ein Plädoyer für den Nebenjob. Warum wir dafür zuallererst unsere Einstellung ändern müssen und was das mit selbstgemachter Zitronenlimo zu tun hat – das erfährst du im Folgenden.


Der große Plan

Erinnerst du dich noch an dein erstes selbstverdientes Geld? Als du stolz wie Bolle deinen allerersten eigenen D-Mark-Schein ins Sparschwein gestopft hast? Die einen verkauften dafür selbstgemachte Limo, die anderen fuhren mit dem Rad durchs Dorf und verteilten Zeitungen. Anschließend gönnte man sich 'ne große Süßigkeitentüte oder sparte auf diese eine Barbie.

Hast du als Kind selbst gemachte Zitronenlimonade verkauft? (Foto: Michael C. Gray/Shutterstock.com)Hast du als Kind selbst gemachte Zitronenlimonade verkauft? (Foto: Michael C. Gray/Shutterstock.com)

Was wir damals noch nicht verstanden: Es ging unseren Eltern nicht darum, dass wir sie finanziell entlasten sollten. Vielmehr wollten sie, dass wir den Wert von Geld begreifen. Dass selbiges nicht auf Bäumen wächst und es eben weg ist, wenn man es ausgibt. Dass man sparen kann und Fleiß belohnt wird. Hinter der ganzen Limo und den Zeitungen steckte also ein größerer Plan. Wir Kleinen haben's natürlich nicht kapiert.

Vergiss doch mal den Kontoauszug

Nach großzügigen Eltern ist der Nebenjob die zweithäufigste Einnahmequelle für Studierende: 63 Prozent gehen neben der Uni arbeiten – durchschnittlich 13 Stunden wöchentlich. Häufig wählen sie den Nebenjob "Kellner". Da frischt man nicht nur das kleine Einmaleins des Kopfrechnens auf. Nein, man erlernt auch zwischenmenschliche Fähigkeiten – diplomatisch Kritik von einem unzufriedenen Gast anzunehmen, beispielsweise. Man bekommt darüber hinaus eine bessere Menschenkenntnis, übernimmt Verantwortung und weiß irgendwann, wie man selbst in stressigsten Situationen nicht nur einen kühlen Kopf bewahrt, sondern auch freundlich bleibt. Klar, am Ende des Monats steht auf dem Kontoauszug das Gehalt. Dass man noch viel mehr dazu gewonnen hat, vergisst man meist. Doch genau das ist der Kern der Sache: Ein Nebenjob, egal welcher, macht dich nicht nur reicher an Geld, sondern auch an Erfahrung.

Eine bittere Erkenntnis

Der Nebenjob ist heute so wichtig wie niemals zuvor. Der Grund ist der extrem hohe Anteil der jungen Studierenden. Allein 2.884 von ihnen sind unter 18 Jahren alt. Viele der jungen Studenten kommen schnurstracks von der Schule an die Uni. Nach drei Jahren Studium sollen sie dann anfangen zu arbeiten. Aber oje – wie soll das bloß gut gehen? Als junger Mensch braucht man doch vor allem eins, um da draußen zu überleben: Lebenserfahrung. Niemand kann auf den Arbeitsmarkt losgelassen werden, ohne vorher mal Verantwortung übernommen zu haben. Ohne mal ein Bewerbungsgespräch geführt zu haben. Ohne mal von der Chefin angemeckert geworden zu sein. Gerade für junge Studenten ist es deshalb wichtig, außerhalb der Hochschule Berufsluft zu schnuppern. Es reicht ja schon, in einem Klamottenladen zu jobben. Mal zu merken wie es ist, mit Menschen auf einer beruflichen Ebene zu interagieren. Sich erneut ins Gedächtnis zu rufen, dass Geld nicht Bäumen wächst. Und sich Fleiß, im wahrsten Sinne des Wortes, bezahlt macht. Es geht darum zu erfahren, was es heißt, erwachsen zu werden.


Die Uni – der Elfenbeinturm

Auch die Unis selbst machen den Nebenjob unverzichtbar. Wie oft sitzt man in Vorlesungen und fragt sich: Wozu brauche ich das später mal? Die Wahrheit ist leider, dass man es oft gar nicht braucht. Unis befinden sich in ihrem eigenen Universum, dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm. Klausuren, die stumpf Wissen abfragen, das man sich auf Pump reinprügeln musste. Und zwei Tage später wieder vergessen hat. Bulimie-Lernen nennt man das. An Unis stehen praktische oder soziale Kompetenzen kaum auf dem Lehrplan. Wie man richtig verhandelt, Kritik annimmt oder auf Menschen zugeht. Dabei sind gerade solche Eigenschaften und Fähigkeiten später von entscheidender Bedeutung. Und wann soll man sie sonst erlernen, wenn nicht in der Zeit des Erwachsenwerdens? Mein Vorschlag: Wir brauchen dazu keine Professoren oder Unis. Wer darauf wartet, dass einem alles vor den Latz getragen wird, der wartet vergebens. Stattdessen sollte man sich selbstständig einen Nebenjob suchen, in dem man gefordert und wichtige Kompetenzen gefördert werden. Just do it!


Fang an, wieder zu glauben

Wir sind jung und brauchen das Geld. Ohne Zweifel. Was wir aber noch viel dringender brauchen, ist Erfahrung. Wie schön, dass wir beides auf einmal haben können. Wir müssen nur endlich diesen Schalter im Kopf umlegen. Dem Nebenjob mehr zutrauen. Und uns auch. Wir müssen die eingerosteten Fenster des Elfenbeinturms aufmachen und raus gucken. Wer kellnert, kann später in stressigen Situationen besser reagieren. Wer Zeitungen austrägt, erlernt durch frühes Aufstehen Disziplin. Und wer im Klamottenladen jobbt, lernt durch unschlüssige Kunden, geduldig zu sein. Man muss keinen Nebenjob haben, der auf den späteren Wunschberuf perfekt zugeschnitten ist. Vielleicht ist ein Psychologe gerade dann gut, wenn er sich früher als Barkeeper stundenlang die Geschichten seiner Gäste angehört hat. Wer weiß das schon. Was wir aber allemal wissen: Mama und Papa hatten früher schon recht. Hinter allem steckt ein größerer Plan. Und wir sollten anfangen, wieder an ihn zu glauben.


Wie vielen Stunden darf ich jobben und wie viel darf ich verdienen? Was ist ein Werkstudent? Infos rund um den Studijobs erhältst du auf der Seite Geld verdienen im Studium der Techniker Krankenkasse.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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