Test der Uni Bremen

Diskrimi­nierung bei der Wohnungs­suche

published: 26.02.2019

Wer bei Wohnungsanfragen einen ausländische Akzent hat, wird seltener zu Besichtigungen eingeladen. Dies ergab eine Studie der Universität Bremen (Foto: Elnur / Shutterstock.com) Wer bei Wohnungsanfragen einen ausländische Akzent hat, wird seltener zu Besichtigungen eingeladen. Dies ergab eine Studie der Universität Bremen (Foto: Elnur / Shutterstock.com)

Mit türkischem Akzent, amerikanischem Akzent und hochdeutscher Aussprache haben Studentinnen Vermieter in Bremen um einen Termin für eine Wohnungsbesichtigung gebeten. Das Ergebnis nach 300 Telefonaten: Vorurteile gegenüber Migranten sind Alltag. Es gibt eine erhebliche Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Die Aktion war Teil eines Tests der Sprachwissenschaftlerin Inke Du Bois von der Universität Bremen. Die Ergebnisse hat sie in der Studie "Sprachliche Diskriminierung quer durch Stadtteile: Türkische, US-amerikanische und deutsche Namen und Akzente bei der Suche nach städtischen Wohnungen" zusammengefasst.

Die Studentinnen riefen innerhalb einer Stunde zeitlich versetzt mit unterschiedlichen Akzenten Vermieter und Makler an. Und siehe da: Oft hieß es gegenüber der vermeintlichen türkischstämmigen Bewerberin: "Die Wohnung ist leider schon weg, Frau Gülbeyaz". Trotzdem erhielt wenig später die akzentfrei sprechende Bewerberin einen Besichtigungstermin. Besichtigungstermin. Ganz klar: Es gibt eine erhabliche Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt.
 

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Die wissenschaftliche Analyse der Testergebnisse zeigte innerstädtische Unterschiede: Im prestigeträchtigen Schwachhausen hatten türkisch akzentuierte Anruferinnen deutlich geringere Chancen auf eine Wohnungsbesichtigung. Nur 23,5 Prozent von ihnen erhielten einen Termin, während 94,7 Prozent der "Standard-Deutschen" eine Wohnung besichtigen konnten. Generell erhielten die letztere in allen Stadtteilen die meisten Besichtigungstermine. Bis auf Tenever, wo Anruferinnen mit türkischem oder amerikanischem Akzent nur ganz leicht unter den Deutschen lagen.
 

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Wie die Anglistik-Lektorin sagt, hatten sie und die Studierenden vorher verbindliche Standards festgelegt und systematisch trainiert. Die Anruferinnen gaben sich bei Nachfrage als alleinstehende Krankenschwestern mit demselben Einkommen aus. Auch die Gesprächsführung war festgelegt. Ebenso die Namen: Die Türkinnen meldeten sich bei Vermietern oder Maklern mit Ayse Gülbeyaz. Die Deutschen als Lena Meyer, die Amerikanerinnen hießen Alice McGraw. Während der Telefonate führten die Anruferinnen Forschungstagebücher.

"Meine Studierenden hatten bei dieser Forschungsarbeit einen Riesenspaß, sie haben aktiv wichtige Ergebnisse erbracht und zu einem größeren Projekt beigetragen", so die Sprachwissenschaftlerin laut der Pressmitteilung der Hochschule. Und sie betont: "Selbstverständlich habe ich das Projekt in der Ethikkommission der Universität vorgestellt und die Genehmigung bekommen", sagt sie. "Bei einem positiven Besichtigungsbescheid haben wir außerdem rechtzeitig abgesagt, um niemanden umsonst warten zu lassen."
 

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"Meine Studie sollte aufdecken, dass viele Menschen unbewusste Vorurteile haben, die allein durch das Hören von Namen und Akzent schnell aktiviert werden", sagt Du Bois. "Ich hoffe, dass sich die Positionen allmählich wandeln und unsere Gesellschaft Migrantinnen und Migranten nicht ausgrenzt. Es gab nämlich auch Vermieterinnen und Makler, die gerade gegenüber den alleinstehenden Türkinnen ausgesprochen nett reagiert haben. Das ist ein gutes Zeichen."

[PA]

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