E-Voting

Wie funktioniert eine Internetwahl?

published: 29.06.2019

Wählen am Computer übers Internet: Diese Option soll unter anderem die Wahlbeteiligung erhöhen (Foto: Rawpixel.com/Shutterstock.com) Wählen am Computer übers Internet: Diese Option soll unter anderem die Wahlbeteiligung erhöhen (Foto: Rawpixel.com/Shutterstock.com)

Erst vor Kurzem fand die Europawahl 2019 statt. Die Wahlbeteiligung lag in Deutschland bei über 61 Prozent und damit deutlich über den vorherigen Wahlen. Dennoch gaben bei dieser Wahl über ein Drittel der Wahlberechtigten keine Stimme ab. Die Gründe dafür sind vielfältig, oft ist es aber Bequemlichkeit. Den Weg zum Wahllokal ersparen sich deswegen viele Menschen. Die Alternative dazu ist die Briefwahl, die aber ebenfalls mit einigem Aufwand verbunden ist. Auch deswegen wird schon seit einigen Jahren über eine weitere Option nachgedacht: die Wahl übers Internet, vom heimischen PC aus. Pointer verrät dir, welche Vor- und Nachteile die Online-Wahl hat und wo sie schon heute Realität ist.
 

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Vorteile der Internetwahl

Bei einer Onlinewahl werden viele Vorteile vermutet. Der wohl größte ist, dass durch das zusätzliche Angebot der Wahl übers Internet mehr Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben. Denn wenn die Wahl bequem vom heimischen PC aus möglich ist, sinkt die Hemmschwelle, wählen zu gehen. Internetwahlen ermöglichen außerdem eine schnelle, automatische Auszählung der Stimmen. Das führt gegebenenfalls zu Kostenersparnissen. Außerdem sind sie barrierefrei und erleichtern Wählerinnen und Wählern aus dem Ausland die Teilnahme.

Nachteile der Internetwahl

Wahlen im Internet stehen unter Manipulationsgefahr durch Hacker. Sie können außerdem anderen Attacken wie DDoS-Angriffen ausgesetzt sein. Ein erfolgreicher DDoS-Angriff sorgt für eine Serverüberlastung. Dadurch ist ein Online-Service oder eine Internetseite vorübergehend nicht erreichbar. Wenn man also in der Wahlzeit deswegen zwischenzeitlich nicht wählen kann, liegt eine Einschränkung des Wahlrechts vor. Außerdem muss gewährleistet sein, dass die Wahl geheim ist. Durch Praktiken wie eine Vorratsdatenspeicherung oder das Ausspähen von IP-Adressen kann dies unter Umständen gefährdet sein.

Außerdem ist eine Beeinflussung von außen bei Onlinewahlen leichter möglich. Dieses Problem haben auch andere Distanzwahlen wie die Briefwahl. Stimmenauszählungen über automatische Systeme haben zudem ein Transparenzproblem, weil die genauen Abläufe für den Normal-Bürger nicht immer einsehbar sind. Eine Internetwahl sollte immer ein zusätzliches Angebot zum normalen Wählen sein. Denn eine ausschließliche Onlinewahl würde die Gleichberechtigung der Bürger gefährden. Geeignete technische Geräte, ein guter Internetzugang und die technischen Kenntnisse der Bevölkerung sind zumindest in Deutschland noch nicht für alle ausreichend gewährleistet.

Internetwahlen in Estland

Wie genau läuft eine Onlinewahl in der Praxis ab? Ein Blick nach Estland liefert Antworten. Denn in dem baltischen Staat gibt es das sogenannte "I-Voting", die Internetwahl, schon seit 2005. Bei allen kommunalen, nationalen und europäischen Wählen können die Estländer auch per Internet ihre Stimme abgeben. So ebenfalls bei der letzten Parlamentswahl. Diese fand am 3. März 2019 statt. Das Internet-Voting war vorher vom 21. bis 27. Februar möglich.

Um daran teilzunehmen, müssen die Wähler einige Schritte befolgen. Zunächst sollen sie ein Programm von der Wahlwebseite herunterladen. In diesem identifizieren sie sich mit ihrem Ausweis. Anschließend können sie per Klick ihren Kandidaten wählen. Zum Schluss ist das Eingeben einer PIN-Nummer erforderlich. Per Smartphone-App und QR-Code können sie abschließend überprüfen, ob ihre Stimme im Wahlsystem angekommen ist. Eine Abänderung der Stimme ist innerhalb des Wahlzeitraums ebenfalls möglich. Es zählt immer die zuletzt abgegebene Stimme. So wird die Gefahr einer Beeinflussung von außen abgeschwächt. Selbst wenn ein Wähler zu einer bestimmten Stimmenabgabe gedrängt wurde, kann sie oder er diese Stimme nachträglich abändern.
 

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Bei der Parlamentswahl 2019 nahmen 28 Prozent der Wahlberechtigten das Angebot der Internetwahl wahr. Von den teilnehmenden Wählern waren es demzufolge sogar knapp 44 Prozent. Hackerangriffe oder Ähnliches gab es bei estländischen Online-Wahlen noch nicht. Um für höhere Transparenz zu sorgen, werden Systemprotokolle erstellt. Zumdem ist der Quellcode des Wahlprogramms öffentlich einsehbar.
 

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Internetwahlen bald auch in Deutschland?

Die Bundesregierung beschäftigt sich zwar schon seit 2001 mit Online-Wahlen, eine Einführung ist aber nicht in Sicht. Hauptgrund ist die grundgesetzliche Voraussetzung der geheimen Wahl. Die Wahl darf nicht auf eine Person zurückverfolgt werden können. Das ist gerade bei privaten PCs, wenn überhaupt, technisch nur sehr schwer umsetzbar. Außerdem ist die Stimmenauszählung durch elektronische Systeme für den normalen Bürger nur schwer nachzuvollziehen. Das Vertrauen der Wahlberechtigten bezüglich eines geordneten Wahlvorgangs wird damit untergraben. Deswegen sind Onlinewahlen in Deutschland in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.

Der Autor: Jonas Bickel

Der Autor: Jonas Bickel

Leben, wo andere Urlaub machen: Jonas ist auf der Nordseeinsel Föhr aufgewachsen. Jeden Tag am Meer zu sein, ist zwar schön. Früh war aber klar: Journalismus auf der Insel - da kommt man nicht weit. Also nach dem Abitur ab in die Medienstadt Hamburg, wo Jonas seit 2015 Politikwissenschaft studiert. Für Pointer schreibt er oft über seine großen Hobbys: Sport - insbesondere Fußball - und Gaming.

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Links

Wissenschaftlicher Bericht zu Online-Wahlen vom Deutschen Bundestag
"Risiken von E-Voting": Report von Barbara Ondrisek
Interview zu Online-Voting in Estland von der Tagesschau

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