Klimaaktivisten

"Fridays for Future": Student fordert 70.000 Euro zurück

published: 29.08.2019

Die Bewegung "Fridays for Future" macht zurzeit auch mit Meinungsverschiedenheiten unter den Aktivisten sowie Streit um Geld Schlagzeilen (Foto: nicostock/Shutterstock.com) Die Bewegung "Fridays for Future" macht zurzeit auch mit Meinungsverschiedenheiten unter den Aktivisten sowie Streit um Geld Schlagzeilen (Foto: nicostock/Shutterstock.com)

Knatsch bei "Fridays for Future": Die Bewegung, ins Leben gerufen von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg, hat in den letzten Monaten viele Anhänger für ihr Klimaschutz-Anliegen gewonnen. Für eine europaweite "Fridays for Future"-Demonstration am 21. Juli in Aachen erhielt die Bewegung auch finanzielle Unterstützung: Der 24-jährige Aktivist Jannik Schestag legte über 70.000 Euro für Sonderzüge aus, die die Klimaschützer aus Ost- und Süddeutschland nach Aachen bringen sollten. Jetzt kämpft der Informatik-Student dafür, die ausgelegte Summe oder zumindest einen Teil zurückzubekommen. Ist Schestag ein zu hohes Risiko eingegangen oder lässt die Organisation ihn unberechtigter Weise auf den Kosten sitzen?
 

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Gestern waren wir wieder laut! ???? Die neue Anti-Klimaschutz-Kampagne der INSM zeigt, dass wir nicht aufhören dürfen, weiterhin laut zu sein, weiterhin zu demonstrieren und weiterhin unbequem zu sein! We are unstoppable, another world is possible!????? #lautfürsklima #insmbedrohtparis #allefürsklima #fridaysforfuture

— fridaysforfuture.de August 17, 2019

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Was ist genau passiert?

Schestag selber hatte offenbar die Idee, Sonderzüge einzusetzen, um möglichst viele "Fridays for Future"-Anhänger nach Aachen bringen zu können. Es sollten Sonderzüge aus Hessen, Tschechien, der Schweiz und der bayrisch-österreichischen Grenzstadt Freilassing starten. Der Zug aus Tschechien musste abgesagt werden, was jedoch keine Kosten verursachte, da es noch keinen Vertrag zwischen dem Studenten und der tschechischen Bahn gab. Für den Zug aus der Schweiz zahlte Schestag ebenfalls nichts. Die Kosten übernahmen die Schweizer Klima-Aktivisten selber. Den Zug aus Hessen musste er bereits in den Tagen vor der geplanten Demo absagen, weil es zu wenig Anmeldungen gab. Diese Stornierung kostete Schestag nach eigenen Angaben bereits 17.000 Euro. Für den Sonderzug aus Freilassing habe der Marbuger 60.000 Euro ausgelegt. Das ergibt: 77.000 Euro, die der Student nun von der "Fridays for Future"-Bewegung zurückfordert. Dem "Spiegel" gegenüber sprach Schestag jedoch von nur 73.000. Das verwendete Geld stamme aus dem Erbe seines Vaters.
 

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W.A.H.N.S.I.N.N. 40.000 Demonstrant*innen aus ganz Europa demonstrierten Heute mit uns zentral in Aachen???? Wir haben Geschichte geschrieben!???? Ein riesige Dankeschön an das AC2106-Orgateam, ohne euch wäre das nicht möglich gewesen. ???? Morgen gibts eine Lesson zum Klimakiller Kohle, direkt an der Tagebaukante mit Ralph Caspers von #wissenmachtah ???????? #fridaysforfuture #ac2106 #climatestrike @climatejusticewithoutborders

— fridaysforfuture.de June 21, 2019

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"Ich wurde mega verarscht"

Gegenüber der "Oberhessische Presse" versicherte der Marburger im Vorfeld der Demonstration, er würde für knapp 100.000 Euro haften, "wenn es in die Hose geht". Doch jetzt ist er der Meinung: "Das Geld ist da. Es gibt nichts zu haften." Die Organisation habe laut Schestag durch die Sonderzüge, Spenden und eine Fundraising-Kampagne ausreichend Geld eingenommen, um ihm sein Geld zurückzuzahlen. Die Pressesprecherin von "Fridays for Future", Carla Reemtsma, bestätigte gegenüber der "Welt", dass die Organisation mit dem Sonderzug aus Freilassing über 30.000 Euro eingenommen habe, ebenso wie mit den "Keine Zeit, aber Geld"-Tickets. Über die Einnahmen durch Spenden konnte Reemtsma keine genaue Aussage treffen: "Das weiß ich nicht genau", sagte sie.
 

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Die #Aachen #Großdemo steht an! Damit Aachen richtig groß wird, brauchen wir deine Unterstützung! https://www.gofundme.com/ac2106 @climatejusticewithoutborders #unstoppable #AC2106 #strikewithoutborders #AlleDörferBleiben #kohleausstieg

— fridaysforfuture.de June 12, 2019

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Wer trifft jetzt die Entscheidung?

Viele führende Mitglieder der Bewegung berufen sich laut der "Welt" auf die Aussage Schestags, für die ausgelegte Summe privat haften zu wollen. Darüber hinaus gibt es keine schriftliche Vereinbarung zwischen dem Studenten und der Organisation, die garantieren könnte, dass Schestag sein Geld zurückerhält. Eine Entscheidung über eine mögliche Rückzahlung ist innerhalb der Organisation schwer zu treffen. "Fridays for Future" ist basisdemokratisch organisiert, weshalb niemand befugt ist, Entscheidungen für die Allgemeinheit zu treffen. Nach einer gescheiterten Online-Abstimmung versuchen die Klima-Aktivisten nun in einer "Fairhandlung" mit einem neutralen Moderator zu einem Ergebnis zu kommen.
 

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#ac2106 ???????? 7 days left???? In einer Woche geht es los!!! WE ARE STRONGER TOGETGER ???????????? Die Vorbereitungen laufen sehr gut und wir sind voller Erwartungen, euch nächste Woche hier in Aachen begrüßen zu können. Tickets zur Anreise gibt es noch unter fffutu.re/ac2106 ???? Und Infos zum Zeitplan, Unterkunft und Anreise direkt bei uns auf @climatejusticewithoutborders und auf der Website ac2106.fridaysforfuture.de ???? Liebe Grüße, euer AC2106 - Planungsteam ??unsere Go Fund Me-Kampagne ist in unserer Bio verlinkt. ???? #strikewithoutborders #aachenclimateevent #fridaysforfuture #climatejusticewithoutborders #ffffordert #fffhandelt

— fridaysforfuture.de June 14, 2019

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Inhalte statt interne Streitigkeiten

Natürlich ist Schestag mit dem Auslegen einer so hohen Summe Geld ein großes Risiko eingegangen, dessen er sich offensichtlich auch bewusst war. Seine Äußerung, im schlimmsten Falle auch privat für die Ausgaben zu haften, wird ihm nun eventuell zum Verhängnis. Er unterstützte die Bewegung finanziell, weil er an den Erfolg von "Fridays for Future" glaubt und sich für die europaweite Demonstration in Aachen einsetzen wollte. Obwohl die Organisation anscheinend im Zuge der Demonstration ausreichend Geld eingenommen hat, lehnen es viele führenden Mitglieder offenbar ab, Schestag sein Geld zurückzuzahlen. Mit diesem Verhalten könnte die Protestbewegung andere Unterstützer abschrecken, die vielleicht ähnliche finanzielle Hilfe geplant hatten. "Fridays for Future" fehlen klare Organisationstrukturen, weshalb es durch Uneinigkeiten zwischen den verschiedenen Ortsgruppen schwierig ist, endgültige Entscheidungen zu treffen.

Durch derartige Konflikte richtet sich der Fokus der Öffentlichkeit auf interne Streitigkeiten der Bewegung. Inhaltliche Debatten werden in den Hintergrund gestellt und die wichtigen Ziele von "Fridays for Future" vernachlässigt. Aufmerksamkeit für die Klima-Aktivisten ist wichtig – doch bitte aufgrund inhaltlicher Forderungen und nicht wegen Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern. Konflikte wie diese werfen einen Schatten auf die unterstützenswerte Organisation und bieten zusätzliche Angriffsfläche für Kritiker. Hoffentlich kann möglichst schnell eine zufriedenstellende Einigung erzielt werden, damit die negative Aufmerksamkeit ein Ende hat.
 

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Spaß & Aktion beim #SoKoFuture Was war euer bisheriges Highlight beim Sommerkongress?????

— fridaysforfuture.de August 3, 2019

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Die Autorin: Hannah Reuter

Die Autorin: Hannah Reuter

Hobbyköchin, Schoko-Junkie, Ordnungsfreak: In Hannover geboren und aufgewachsen, unternahm Hannah nach dem Abi eine Interrailreise quer durch Europa. Anschließend zog sie der Traum vom Journalismus in die Medienstadt Hamburg, wo sie seit 2018 Politikwissenschaft studiert. Sie liebt es zu reisen, erkundet momentan aber vor allem ihre Wahlheimat. Für Pointer schreibt Hannah über Themen rund ums Studium und den Uni-Alltag.

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Links

Hier geht' zur Webseite von "Fridays for Future"
Hier geht's zum Artikel des "Spiegel"
Hier geht's zum Artikel der "Oberhessische Presse"
Hier geht's zum Artikel der "Welt"

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