"MGZN"

Klar helfe ich!

published: 08.11.2019

Youth-Life-Line ging 2003 online und hat aktuell 30 junge Berater zwischen 15 und 25. Bisher konnten rund 7.000 Ratsuchende unterstützt werden (Foto: Francisco Gonzalez on Unsplash) Youth-Life-Line ging 2003 online und hat aktuell 30 junge Berater zwischen 15 und 25. Bisher konnten rund 7.000 Ratsuchende unterstützt werden (Foto: Francisco Gonzalez on Unsplash)

Etwa 10.000 Menschen nehmen sich in Deutschland jährlich das Leben, rund 500 bis 600 sind unter 25 Jahre alt. Als Peer-Berater bei Youth-Life-Line hilft der 21-jährige Findus Gleichaltrigen mit Selbstmordgedanken zurück ins Leben. Probleme in der Schule, Mobbing, Liebeskummer, Angst vor einem Coming-out, Depression, Gewalt oder Missbrauch in der Familie: Viele Ursachen können junge Menschen in eine schwere Krise stürzen, bis hin zu konkreten Suizid-Absichten. Damit es nicht so weit kommt, gibt es seit 2003 die Tübinger Online-Beratungsstelle Youth-Life-Line (YLL). Hier können sich gefährdete junge Menschen an gleichaltrige ehrenamtliche Peer-Berater wenden und sich kostenlos und anonym Rat und Hilfe einholen.

Der 21-jährige Findus gehört bereits seit 2015 zum YLL-Team. "Youth-Life-Line hat sich damals bei uns an der Schule vorgestellt, das Konzept ,Beratung von Jugendlichen für Jugendliche‘ hat mich voll überzeugt", sagt er.

 

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January 1, 1970

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Ein bis zwei Nachmittage pro Woche verbringt er seither in der Beratungsstelle und hat hier schon unzählige Mails beantwortet. "Absolute Anonymität ist bei uns das oberste Gebot, deshalb kommunizieren wir ausschließlich per Mail über eine geschützte Beratungsplattform", erklärt er. Wer Kontakt mit YLL aufnehmen möchte, legt sich einen Account mit einem Benutzernamen zu. Persönliche Daten wie Name oder Adresse erfahren die jungen Berater nicht. "Das senkt die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen", sagt Findus.

 

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Heute würde ich gerne mit euch ein ganz besonderes Gespräch zwischen meiner ehemaligen Bezugsbetreuerin und mir teilen. - Es war ein sehr kalter Tag, die Sonne versteckte sich hinter den Wolken und Frau S und ich schlenderten durch die leere Straße. Plötzlich blieb sie stehen und richtete ihre Augen auf einen großen Baum. "Was siehst du?", fragte sie mich. Ich grinste sie an und antwortete: "naja, einen Baum?". Sie kicherte. "Schau genauer hin, was erkennst du?". Ich überlegte: "er sieht etwas kaputt und leer aus. Ich meine, die Blätter sind leider auch schon alle abgefallen und die Rinde sieht etwas, naja, sehr mitgenommen aus". Sie ging einen Schritt zurück und fragte: "Und wie findest du ihn?" Ein "Ich finde ihn trotzdem toll und schön!" huschte mir über die Lippen. "Ich finde", begann sie zufrieden zu sagen. "Man kann Bäume mit Menschen vergleichen. Jeder Mensch hat einige Narben, manche mehr manche weniger. So wie dieser Baum. Er hat vermutlich auch schon einiges hinter sich. Viel Regen, viele Unwetter und auch Hagel. Und dennoch steht er hier, ganz fest verwurzelt. Denn er weiß, auch das schlimmste Unwetter wird vergehen. Auch er hat nicht immer die Kraft seine Blätter festzuhalten. Auch er lässt sie jedes Jahr erneut fallen. Das heißt aber nicht, dass er schwach ist, er lässt sie los, um sich auf neue Blätter freuen zu können. Und weißt du was ich schade finde, Franzi?" Ich schaute sie mit großen Augen an und schüttelte den Kopf. "Wenn ich dich fragen würde, wie du dich findest, trotz deinen Narben, dann würdest du dich als abscheulich bezeichnen." Eine Träne rollte über meine Wange. Sie nahm mich in den Arm und sagte: Du bist nicht wertlos, du bist schön. Und wenn du mal wieder zweifelst, denke an all diese Bäume. Es wird nicht für immer so stürmisch sein, versprochen". Und als sie mich hielt, fühlte es sich so an, als würden viele kleine Verletzungen heilen. So als hätte sie ein Pflaster auf all meine Verletzlichkeit geklebt. Ich habe so viel von ihr gelernt, sie ist ein fantastischer Mensch, ein wahrer Engel. Und solltet ihr mal zweifeln, bitte denkt daran: ihr seid nicht wertlos. Ihr seid wichtig und einzigartig ?? - #recovery #depression #ptbs

— ichxgehxlebenxkommstxduxmit August 19, 2019

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Gelernt, sich abzugrenzen

Was im Umgang mit selbstmordgefährdeten jungen Menschen sonst noch zu beachten ist, wie man sie unterstützen und ermutigen kann, hat Findus in einem viermonatigen Vorbereitungskurs gelernt. Auch, wie man sich von den Nöten der Ratsuchenden abgrenzt. "Natürlich ist es zum Teil sehr hart, was man zu lesen bekommt, und wenn die Beratung länger dauert, entsteht oft eine persönliche Bindung. Trotzdem habe ich gelernt, die Gedanken daran im Büro zu lassen", sagt der sportliche junge Mann. Beim Segeln oder Klettern bekommt er den Kopf frei; auch die Möglichkeit, sich mit anderen Peers im Büro auszutauschen, sei sehr wertvoll. Zwei sozialpädagogische Fachkräfte sind immer dabei und checken auch alle Mails, bevor sie verschickt werden.

Im Herbst fängt Findus ein Medizinstudium in Tübingen an. Bei YLL will er auf jeden Fall weitermachen, bis er die zulässige Altersgrenze von 25 Jahren erreicht. "Ich finde es enorm schön, anderen etwas geben zu können und mit meinem Einsatz etwas Wichtiges zu bewirken", sagt er.
 

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We care! Who else cares puts the ???? in the comments! ???????????????? #wecare #impact #letsact #fridaysforfuturegermany

— letsactapp November 1, 2019

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Wollt ihr euch auch engagieren?

Mit der kostenlosen App "Letsact" findet ihr coole Projekte in eurer Nähe. Am besten gleich anmelden, denn für jeden neuen Freiwilligen spendet das Social Start-up einen Baum.



 

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"MGZN" - das junge Kundenmagazin der Techniker Krankenkasse

Wir alle haben Angst vor etwas. Der eine hat vor Prüfungen Panik, der andere traut sich nicht, den Zahnarzt aufzusuchen. Wieder ein anderer fürchtet, die Gefühle seiner Freunde zu verletzen, wenn er lieber nach Hause geht, statt mit in die nächste Kneipe zu ziehen. Die schlechte Nachricht ist: Angst hat viele Gesichter. Die gute: Mut aber auch. Ob wir uns der Furcht stellen, sie überwinden oder lernen, mit ihr zu leben - jeder ist auf seine eigene Weise mutig.

Die zweite Ausgabe 2019 des MGZN der Techniker
  • Erst mal orientieren

    Die wenigsten trauen sich nach dem Schulabschluss, eine Orientierungsphase einzulegen. Dabei ist genau das oft der richtige Weg.

  • Die Angst akzeptieren

    Nicholas Müller ist Schirmherr des Vereins "Deutsche Angstselbsthilfe". Der Sänger erzählt im Interview von seiner Angststörung.

  • Selbstversuch

    Ein Jahr auf Klamottenkauf verzichten? Für Anna eigentlich undenkbar. Trotzdem wagt unsere modebewusste Autorin den Selbstversuch.

  • Die Reisestory

    Reisen in das weiße Winter-Wunderland sind unvergesslich. Wir geben Tipps jenseits vom Mainstream - von Malmö bis Granö.

Klicke hier, um dir das E-MGZN anzuschauen




[Kirstin von Elm/TK]

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