Mit einem Hilfspaket will das Bundesministerium für Bildung und Forschung Studierende in finanzieller Not unterstützen. Studierendengruppen kritisieren es als unzureichend (Foto: Kseniia Zagrebaeva/Shutterstock.com) Mit einem Hilfspaket will das Bundesministerium für Bildung und Forschung Studierende in finanzieller Not unterstützen. Studierendengruppen kritisieren es als unzureichend (Foto: Kseniia Zagrebaeva/Shutterstock.com)
Finanzhilfe

Bis zu 500 Euro Überbrückungshilfe für Studenten noch im Juni

In Zeiten von Kurzarbeit und weggefallenen Nebenjobs haben es Studierende besonders schwer, sich über Wasser zu halten. Nun bringt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine zweiteilige Überbrückungshilfe für Studierende in finanzieller Not auf den Weg. Der Freie Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs) bewertet dieses Hilfspaket für viele Betroffene jedoch als viel zu spät und unzureichend.

Mehr als zinslose Kredite

Das Hilfspaket des BMBF besteht aus zwei Elementen: Aus einem zinslosen Studienkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und aus Zuschüssen in einer Gesamthöhe von 100 Millionen Euro, die über die lokalen Studierendenwerke beantragt und ausgezahlt werden können. Der Studienkredit der KfW richtet sich an Studierende einer deutschen Hochschule im Alter von 18 bis 44 Jahren, die ihren Erstwohnsitz in Deutschland haben bzw. die ein Familienmitglied besitzen, das sich mit ihnen in Deutschland aufhält und eine deutsche Meldeadresse hat. Diese können seit dem 8. Mai 2020 und bis zum 31. März 2021 ein zinsloses Darlehen von maximal 650 Euro pro Monat aufnehmen. Nach dem 31. März 2021 müssen Kreditempfänger wieder selbst für den gültigen Zinssatz aufkommen. Welche Kriterien für die Rückzahlung des Studienkredits beachtet werden müssen, kannst du auf dieser Informationsübersicht des BMBF zur Überbrückungshilfe nachlesen.
 


Neben der Aufnahme eines Darlehens können Studierende in Kürze auch einen Antrag auf Überbrückungshilfe bei ihrem zuständigen Studierendenwerk stellen. Diese individuelle Finanzhilfe liegt je nach persönlichem Kontostand zwischen 100 und 500 Euro pro Monat für die Monate Juni, Juli und August. Dieser Zuschuss ist rückzahlungsfrei, muss jedoch für jeden Monat neu beantragt werden und ist nur so lang gültig, wie die Corona-Krise andauert.

Anspruch auf diese Zuschüsse haben Studierende jeden Alters an einer staatlichen oder staatlich anerkannten deutschen Hochschule, die nachweisen können, dass sie in einer akuten, pandemiebedingten Finanznotlage sind. Ein genauer Zeitpunkt für den Beantragungs- und Auszahlungsbeginn ist noch nicht bekannt, jedoch soll die erste Auszahlung laut BMBF noch im Juni 2020 erfolgen. "Das BMBF arbeitet mit dem deutschen Studentenwerk mit Hochdruck daran, dass alle Studenten- und Studierendenwerke die Überbrückungshilfe im Juni anbieten können," heißt es von Seiten des Ministeriums. Ab Dienstag, 9. Juni, gibt es zudem eine Telefon-Hotline und einen E-Mail-Service, an die sich Betroffene mit ihren Fragen wenden können.
 


Zu wenig zu spät?

Trotz der auf den Weg gebrachten Finanzhilfe fühlen sich viele Studierende im Stich gelassen. Laut Jacob Bühler, Vorstandsmitglied des fzs, sind die Geldhilfen nicht nur zu niedrig, sondern auch viel zu spät auf den Weg gebracht worden. Das BMBF räumt in diesem Zusammenhang ein, dass es bei der Umsetzung der Finanzbereitstellung Anlaufschwierigkeiten gegeben habe. "Ein neues Antragssystem und seine technischen Voraussetzungen aufzubauen, ist naturgemäß nicht ohne Tücken. Das war auch ein Grund, warum das BMBF in der ersten Säule der Überbrückungshilfe auf den bewährten KfW-Studienkredit gesetzt hat", heißt es.
 


Am Montag, 8. Juni, demonstrierten mehrere Studierendengruppen und Interessenvertretende für eine stärkere und sofortige Finanzhilfe - unter anderem in Bonn, Hannover, Dresden, Potsdam und Wiesbaden.

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