Im Herbst beginnt für viele junge Menschen das Unileben. Wie ist es, während der Corona-Pandemie ein Studium aufzunehmen? (Foto: Kzenon/Shutterstock.com) Im Herbst beginnt für viele junge Menschen das Unileben. Wie ist es, während der Corona-Pandemie ein Studium aufzunehmen? (Foto: Kzenon/Shutterstock.com)
Wintersemester 2020/21

Studienbeginn während der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie wirkt sich enorm auf den Alltag von Studierenden aus. Das vergangene Sommersemester fand an den Universitäten und Hochschulen fast ausschließlich online statt. Durch das Ausbleiben von Präsenzveranstaltungen fehlten vielen Studenten der Kontakt zu ihren Kommilitonen und das Beisammensein, das zum normalen Studi-Leben dazugehört. Zudem verloren zahlreiche Studierende ihren Nebenjob und machen sich Sorgen um Geld. Zum Beginn des Wintersemesters 2020/21 kommen viele neue Erstsemester auf die Campusse. Für sie liefen der Bewerbungsprozess und der Studienstart in diesem Jahr anders ab, als sie es sich vorgestellt hatten.
 


Zahlreiche Universitäten verzeichnen Rekord-Bewerberzahlen zum diesjährigen Wintersemester. An der Leuphana Universität Lüneburg bewarben sich rund acht Interessierte auf jeden der 1.400 Plätze für Erstsemester. Diese Zahl ist noch beeindruckender, wenn man bdenkt, dass es in Niedersachsen durch die Umstellung des Systems am Gymnasium von acht auf neun Jahre keinen diesjährigen Abiturjahrgang gab. Auch an anderen Universitäten und Hochschulen ist die Zahl der Bewerber angestiegen. An der Universität Hamburg haben sich beispielsweise im letzten Jahr 28032 Studieninteressierte beworben. Dieses Jahr gingen 31285 Bewerbungen ein. Zum Teil lässt sich das vermehrte Interesse an Studienplätzen durch die Corona-Pandemie erklären. Denn aufgrund der eingeschränkten Reisemöglichkeiten haben sich viele Abiturienten von ihren Plänen verabschiedet, in einem Gap Year die Welt zu erkunden. Oft lag es dann nahe, sich direkt für ein Studium zu bewerben.
 


Viele Bewerberinnen und Bewerber, die sich Erfolgschancen für ihren Wunsch-Studiengang ausmalten, wurden auf Grund der hohen Bewerberzahlen abgelehnt. So auch der 22-jährige Tim. "Wenn man nach den NCs aus dem letzten Jahr geht, hätte ich in Niedersachsen und Hamburg ganz gute Erfolgschancen haben sollen", sagt er. "Ich habe mich mit Absicht dieses Jahr beworben, weil es ja keinen Abiturjahrgang in Niedersachsen gab. An meinen beiden Wunsch-Universitäten wurde ich leider abgelehnt." Neben den hohen Bewerberzahlen liegt das auch am geänderten Verfahren, nach dem manche Universitäten die Plätze vergaben. An der Leuphana Universität Lüneburg wird normalerweise jährlich ein Auswahltest durchgeführt, nach dessen Ergebnissen ein Teil der Bewerber ausgewählt wird. Dieses Jahr fiel der Test zum Schutz vor Infektionen aus. Die Studienplätze wurden ausschließlich nach Abiturnoten vergeben. Glücklicherweise hat Tim sich an mehreren Hochschulen und Orten beworben. Er beginnt im Oktober ein Studium der Politikwissenschaft in Bremen.
 


Auch bei Studierenden, die zum Wintersemester ihr Fach wechseln wollten, sorgen Corona-bedingte Änderungen für Probleme. Paul studiert Lehramt mit den Fächern Französisch und Geschichte. Im Herbst wollte er Sport dazu nehmen, weil er schon immer Lust darauf hatte. "Ich habe den Eignungstest bereits letztes Jahr gemacht, aber leider nicht geschafft, weil ich mich eine Woche vorher verletzt habe", erzählt der Kieler. Dieses Jahr ging der Test in vereinfachter Form über die Bühne, da wegen der Corona-Pandemie viele Disziplinen nicht durchgeführt werden konnten, darunter Schwimmen und Mannschaftssport. "Wir wurden nur in vier anstatt elf Disziplinen getestet. Dadurch haben viel mehr Leute den Test bestanden als in den vorherigen Jahren", erklärt Paul. Die Ergebnisse des Eignungstests werden an seiner Uni mit der Abiturnote verrechnet. Dabei lag der NC bei 2,2. Im Vorjahr war der Wert 2,7. Paul erzählt: "Ich bin mit meiner Note von 2,6 leider nicht reingekommen. Der NC hat einen enormen Sprung gemacht, weil so viele Leute den Test bestanden haben. Ich war sehr traurig, vor allem weil mir davor vom Studierendenservice gesagt wurde, dass bei Sport wahrscheinlich alle angenommen werden." Trotzdem findet er: "Es ist eine besondere Situation für uns alle und ich kann verstehen, dass die Uni so reagieren musste."
 


Wer einen Studienplatz an der Wunschuni ergattert hat, dem steht ein ungewöhnlicher Studienbeginn bevor. Julia fängt im Oktober ein BWL-Studium an. Wie an vielen Universitäten hat sich auch an ihrer der Bewerbungszeitraum um über einen Monat nach hinten verschoben. Das Datum des Studienbeginns blieb aber. Dadurch musste der Einschreibungsprozess ziemlich schnell gehen, wie die Hamburgerin erzählt: "Die Zulassung für meine Wunschuni habe ich am 27. August bekommen, und bis zum 4. September mussten meine Dokumente sowie der erste Semesterbeitrag schon eingegangen sein." Julia fühlte sich durch diese kurze Bedenkzeit nicht sonderlich eingeschränkt, weil sie sich bei der Wahl ihrer Universität sicher war. Für Studienbeginner, die noch auf den Ausgang anderer Bewerbungen warten wollten, stellen diese kurzen Fristen jedoch ein Problem dar. Gleich nachdem sie angenommen wurde, fing Julia an, nach Wohnungen in ihrer neuen Unistadt Lüneburg zu suchen. "Mit weniger als einem Monat zwischen Immatrikulation und Studienbeginn war der Stress, eine Wohnung zu finden, sehr groß. Die Angebote, die ich gesehen habe, gingen stündlich weg, und ich hatte ein paar echt anstrengende Tage." Letztendlich konnte Julia aber doch einen Mietvertrag unterschreiben. Dem pünktlichen Umzug zum Beginn ihrer Studiums steht nichts mehr im Weg.
 


In ihrer Ersti-Woche freuen sich Studienbeginner normalerweise darauf, ihre Kommilitonen, den Campus und ihre Unistadt bei geselligen Aktionen wie Stadtrallys und Kneipentouren kennen zu lernen. Große Infoveranstaltungen geben einen Überblick über das Leben an der Universität oder Hochschule und die Rahmenbedingungen für das Studium. Vieles davon ist in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht möglich. Die 20-jährige Marie berichtet über ihren Studienstart an der Hochschule Fresenius: "Ich habe zwei Einführungswochen, in denen es direkt richtig los geht. Teilweise sitze ich von morgens bis abends in Vorlesungen. Normalerweise hätte es eine Tour durch die Uni und sogar eine Erstifahrt gegeben." Anstatt sich in entspannter Form erst einmal kennenzulernen, beginnt für Marie und ihre Kommilitonen also gleich der Alltag. In den ersten zwei Wochen haben sie täglich Präsenzveranstaltungen, in denen die Dozenten sich ihnen vorstellen und organisatorische Dinge klären. Außerdem werden die Studierenden in die nötigen Programme und Plattformen eingeführt. Danach wechselt die Hochschule in ein Hybrid-Modell aus Online- und Präsenzlehre. "Ich finde es schade, dass wir keine Ersti-Woche haben, so wie man sie sich vorstellt. Aber ich bin sehr froh darüber, dass ich meine Kommilitonen überhaupt persönlich kennen lernen kann und wir nicht direkt nur per Videochat studieren", meint die Hamburgerin. Während der ersten zwei Wochen sind an der Hochschule Sicherheitsleute angestellt, die darauf achten, dass die Abstandsregelungen eingehalten werden.
 

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Die Autorin: Hanna Kunst
Die Autorin: Hanna Kunst

Die Autorin: Hanna Kunst

Sonnenliebhaberin, Lockenkopf, Enthusiastin – Hanna wuchs am Rand von Hamburg auf und schätzt das Landleben ebenso wie den Trubel der Hansestadt. Seit 2020 studiert sie Kulturwissenschaften in Lüneburg und findet dabei Medientechnik und Stadtplanung besonders spannend. In ihrer Freizeit hört sie gern Livemusik, probiert neue Rezepte aus, macht Yoga und fotografiert analog. Für Pointer schreibt Hanna über Lifestyle-Themen und führt als Reporterin Interviews.