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Wie war das Studieren im Corona-Semester?

published: 17.09.2020

Digitale Vorlesungen und Online-Seminare prägten das Sommersemester 2020 in Zeiten von Corona (Foto: fizkes/Shutterstock.com) Digitale Vorlesungen und Online-Seminare prägten das Sommersemester 2020 in Zeiten von Corona (Foto: fizkes/Shutterstock.com)

Online-Vorlesungen und Video-Chat statt Präsenzveranstaltungen, geschlossene Mensen, Sport- und Kulturzentren, leere Bibliotheken und Studentenwohnheime. Die Pandemie hatte riesige Auswirkungen auf die Gesamtsituation der Studierenden. Wie haben Studierende in Deutschland das digitale Sommer-Semester 2020 bewältigt und wie haben sie den durch die Pandemie veränderten Studienalltag erlebt?

Dies hat ein Forschungsteam der Universität Hildesheim in der bundesweiten qualitativen Online-Befragung Stu.diCo. untersucht, an der über 3.000 Studierende teilnahmen. Die Forscher analysierten die Daten von 2.350 Studierenden. Allgemein beurteilten 72,4 Prozent der befragten Studierenden die Arbeitsbelastung im digitalen Semester als höher im Vergleich zum Präsenzsemester. Die Vorstellung, noch ein weiteres Semester digital zu studieren, beurteilten 59,4 Prozent der Befragten als schlecht. Die Frage, ob sie ihr Studium um ein Semester verlängern würden, wenn dies kostenneutral wäre, beantworteten knapp über 50 Prozent mit "Ja".

Wie lief das digitale Semester? - Pointer fragt nach


Herausforderungen in der Home-Learning-Situation

Als belastende Faktoren nannten die Studierenden unter anderem die fehlende Infrastruktur der Hochschule wie Mensa, Bibliothek etc.. Auch den fehlenden persönlichen Kontakt zu anderen Studierenden, die Notwendigkeit, sich um andere Familienmitglieder kümmern zu müssen und/oder den fehlende Platz zum ungestörten Arbeiten merkten die Studenten an. Auch Einsamkeit, Ablenkung, technische Einschränkungen sowie die fehlende persönliche Betreuung durch die Lehrenden wurden als Hürden des digitalen Lernens aufgeführt.
 

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Chancen des Digitalen Lernens

Als positiv bewerteten die Befragten die Zeitersparnis durch wegfallende lange Anfahrtswege zum Studienort, mehr Flexibilität in der Arbeitsgestaltung und das Kennenlernen neuer digitaler Angebote.

Finanzielle Situation

Bei mehr als der Hälfte der Befragten (52 Prozent) wirkte sich die Pandemie finanziell nicht aus. 37 Prozent der Befragten gab an, weniger Geld als vorher zur Verfügung zu haben. Knapp 44 Prozent der Studierenden gaben jedoch an, dass sie sich um die Finanzierung ihres Studiums insgesamt sorgen.

Online-Vorlesungen, Video-Seminare und digitale Referate - Pointer fragt Studis


Sozial entleerter Studienalltag

Fast alle Studierende beklagten den Stillstand des sozialen und kulturellen Austauschs. 79 Prozent der Befragten vermissen das Campusleben. 85,4 Prozent fehlt der Kontakt zu anderen Studierenden. Die Hälfte der Teilnehmenden vermisste sehr die Möglichkeit, Lehrende anzusprechen. Doch nicht alle Studierenden litten gleichermaßen unter diesen Einschränkungen. Die Bewertungen rangierten von Aussagen wie "Das digitale Semester ist eines der besten, das ich je hatte, in Bezug auf meinen Lernfortschritt und das Vorankommen im Studium" bis zu "Ich habe durch die online Lehre meinen Spaß an meinem Studium verloren."

"Es gibt nicht die typische Studentin oder den typischen Studenten – entsprechend unterschiedlich fallen die Bewertungen zum digitalen Studieren und zur Änderung des Lebensalltags aus", sagt Dr. Severine Thomas, Teil der fünfköpfigen Forschungsgruppe von Stud.diCo am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik, in einer Pressemitteilung der Stiftung Universität Hildesheim.

Die Studie Stu.diCo.

Stu.diCo. setzt sich von Untersuchungen ab, die vor allem auf die Evaluation der digitalen Lehre und die technische Ausstattung sowie die damit zusammenhängenden Problemlagen der Studierenden fokussieren. Dahingegen sollen mit dieser Studie auch das Wohlbefinden, die Sorgen und Ängste, die Studienmotivation und die mentale Verfassung der Studierenden betrachtet werden.

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Die Teilnehmenden

Der Altersdurchschnitt der Befragten lag bei rund 24 Jahren. Nur 5,5 Prozent der Befragten gaben an, über 30 Jahre alt zu sein. Somit ist Stu.diCo. eine der wenigen Studien in Deutschland, die sich explizit auf das junge Erwachsenenalter beziehen. Von den Befragten waren 70,7 Prozent Bachelor-Studierende und 24,4 Prozent Master-Studierende. Am stärksten vertreten waren Studierende aus Niedersachsen (56,7 Prozent) und Bayern (16,6 Prozent).

Für die Studierenden in Deutschland beginnt schon bald das Wintersemester 2020/21 und damit das zweite Semester unter Pandemie-Bedingungen. Dies bedeutet vielerorts, dass für die Studierenden ein weiteres digitales Semester stattfinden wird. Der veröffentliche Bericht der Online-Befragung Stu.diCo. präsentiert erste Ergebnisse und deskriptive Befunde, welche für die weitere digitale Ausgestaltung der Hochschulstudiengänge genutzt werden können. Darüber hinaus haben die Forscher die zahlreichen offenen Antworten der Teilnehmenden analysiert. Ziel war es, möglichst schnell erste Befunde noch vor dem Start des Wintersemesters zu veröffentlichen, um diese in die Gestaltung des Studiums im Wintersemester 2020/21 einfließen zu lassen.

[PA]

Links

Zum Paper "Stu.diCo. – Studieren digital in Zeiten von Corona – Erste Ergebnisse der bundesweiten Studie Stu.diCo."
Universität Hildesheim im Web

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