Die Online-Enzyklopädie Wikipedia wird dieses Jahr 20 Jahre alt. Pointer wirft einen Blick zurück (Foto: Piotr Swat / Shutterstock.com) Die Online-Enzyklopädie Wikipedia wird dieses Jahr 20 Jahre alt. Pointer wirft einen Blick zurück (Foto: Piotr Swat / Shutterstock.com)
Online-Enzyklopädie

Wikipedia feiert 20. Geburtstag

Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia feiert am 15. Januar 2021 ihren 20. Geburtstag. Im Jahr 2001 ging an diesem Tag die englische Sprachversion an den Start, die deutsche folgte zwei Monate später am 16. März. Die deutsche Seite hat inzwischen 2,4 Millionen Artikel, weltweit sind es 53,7 Millionen. Deutschland belegt bei der Anzahl der meisten Klicks international den dritten Platz hinter den USA und Japan. Die deutschsprachige Wikipedia wird eine Milliarde mal im Monat aufgerufen und durchschnittlich 856.277 mal monatlich editiert. Die freiwilligen Autoren und Editoren, die sogenannten Wikipedianer, organisieren sich in Vereinen auf der ganzen Welt. In Deutschland steht der gemeinnützige Verein Wikimedia mit seinem 80.000 Mitgliedern an der Spitze der Plattform, die sich durch Spenden finanziert. Pointer wirft einen Blick zurück auf die Wikipedia-Geschichte.
 


Die Anfänge: Namensgebung und Wiki-Prinzip

Der Name Wikipedia setzt sich aus dem hawaiianischen Wort für Glück, "wiki", und dem englischen Wort für Enzyklopädie, "Encyclopedia", zusammen. Als "Wiki" wird ein Hypertext-System für Webseiten bezeichnet, bei dem die User nicht nur den Inhalt lesen, sondern diesen auch verändern können. Die Artikel sind untereinander verlinkt. Internet-Unternehmer Jimmy Wales und Larry Sanger, damals Doktorand der Philosophie, starteten im Jahre 2000 über das Unternehmen Bomis eine Internet-Enzyklopädie, die den Namen Nupedia trug. Der Redaktionsprozess glich dabei dem einer klassischen Enzyklopädie. Autoren reichten Beiträge ein, die durch eine Peer-Review kontrolliert wurde. Sanger war als Chefredakteur tätig. Anfang 2001 wurden die beiden auf das Wiki-System aufmerksam. Am 15. Januar 2001 legte Wales eine Open-Source-Seite mit dem Namen Wikipedia an, die auf Nupedia verlinkt war. Dort stand als erster Eintrag: "Hello world!" Laut Wales war dies zunächst nur als "fun project" intendiert. Die Wikipedia verdrängte die Nupedia allerdings innerhalb von zwei Jahren. Ende 2001 gab es 18 Sprachversionen. Wales gründete 2003 die gemeinnützige Wikimedia Foundation und übereignete ihr die Namensrechte und die Server.
 


Wikipedianer: Freiwillige Mitarbeiter am Wikipedia-Projekt

Die freiwilligen Autoren und Editoren nennen sich Wikipedianer. Sie schreiben Artikel, übernehmen das Korrekturlesen, Verbessern, Formatieren und die Bebilderung der Artikel. Besonders engagierte Autoren können von den registrierten Benutzern zu Administratoren gewählt werden, um erweiterte Rechte und Aufgaben zu erhalten. Sie können unter anderem Benutzer sperren und Bearbeiter für bestimmte Zeit ausschließen. Jeder User kann Artikel editieren, die Änderungen müssen danach jedoch erst einmal freigegeben werden. Das übernehmen die sogenannten Sichter, die Artikel zu Themengebieten ihrer Wahl betreuen. Zudem gibt es zu jedem Artikel eine Diskussionsseite, auf der Menschen sich zu Unklarheiten austauschen können. Für besonders gelungene Einträge können Bearbeiter das Prädikat "exzellent" erhalten. Im Zuge verschiedener Projekte, Events und Stammtische kommen Wikipedianerinnen und Wikipedianer immer wieder zusammen. Die Autoren-Zahlen sinken seit 2007 allerdings kontinuierlich. Während die Zahl der aktiven Wikipedianer im Januar 2008 bei 962 lag, reduzierte sie sich bis zum Dezember 2018 auf 526.
 


Kontroversen und Aktionen: Falsche Artikel und Protest gegen die EU-Urherberrechtsreform

Immer wieder finden sich auf Wikipedia falsche Informationen, die bisher übersehen wurden. Eine Lüge hielt sich besonders hartnäckig: 15 Jahre lang fand sich in diversen Sprachversionen der Online-Enzyklopädie ein Eintrag mit dem Titel "Konzentrationslager Warschau". Ein Lager gab es dort, jedoch gibt es keine Beweise dafür, dass es sich um ein Vernichtungslager gehandelt hat. Die israelische Zeitung "Haaretz" deckte die Fehlinformation im Jahr 2019 auf, und der Artikel wurde entsprechend korrigiert. Die Lüge war kein bloßer Scherz, sondern der Versuch, die Reichweite von Wikipedia zu nutzen: Polnische Nationalisten verbreiten seit den Siebzigerjahren die Behauptung, tausende nichtjüdische Polen seien im Lager zu Tode gekommen. In diesem Fall haben die Redaktionsprozesse von Wikipedia nicht funktioniert.

Am 21. März 2019 war die deutschsprachige Version von Wikipedia für einen Tag nicht nutzbar. So protestierte die Seite gegen die EU-Urheberrechtsreform. Artikel wurden nur geschwärzt angezeigt. Die Organisatoren befürchten, dass mit dem geplanten Einsatz von Uploadfiltern in der EU eine Einschränkung der Pressefreiheit einhergeht und das System Wikipedia aussterben könnte.
 


Skurrile Artikel und Wikipedia-Spiel

Der Artikel zum Pizzakarton hat inzwischen Kult-Status erreicht. Der Text geht auf die Geschichte, die Anforderungen wie Stabilität und Wärmedämmung des Kartons und die verschiedenen Varianten der "Faltschachtel aus Kartonage" ein. Es gibt eine Liste fiktionaler Tiere, ein Artikel zur Bielefeld-Verschwörung und über die Pommesgabel. Wer die Wucht an Einträgen und Verlinkungen bewältigen kann, ist der ideale Kandidat für das Wikipedia-Spiel. Dabei legt man einen beliebigen Start-Artikel fest und entscheidet, bei welchem Artikel man am Ende landen will. Wer mit möglichst wenigen Klicks auf die blauen Verlinkungen beim Ziel-Artikel ankommt, hat gewonnen. Zum Start eignet sich auch die Funktion "Zufälliger Artikel" auf der linken Seitenleiste der Website.
 


 


20. Jubiläum: "Die Wikipedia Story", #1Lib1Ref und digitale Ausstellung

Im November 2020 erschien das Buch "Die Wikipedia Story - Biografie eines Weltwunders" von Pavel Richter. Der Autor ist selbst langjähriger Wikipedianer und war von 2009 bis 2014 geschäftsführender Vorstand von Wikimedia Deutschland. Richter versammelt im Buch die interessantesten und skurrilsten Anekdoten der Geschichte der Plattform. Das Vorwort zum Buch schrieb Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales. Im Jubiläumsjahr gehen weitere Projekte an den Start: Bei #1Lib1Ref (engl. 1 Librarian, 1 Reference) nehmen zwischen dem 15. Januar und dem 5. Februar 2021 Bibliothekare und Bibliothekarinnen aus der ganzen Welt teil. Sie ergänzen mithilfe ihrer Ressourcen Literaturangaben und Einzelnachweise. In diesem Jahr findet die Aktion zum sechsten Mal statt. Zum Geburtstag der deutschen Version am 16. März geht die virtuelle Ausstellung "20 years – 20 objects" der Deutschen Digitalen Bibliothek online. Die Jubiläumsausstellung versammelt Artefakte und Geschichten aus der Wiki-Community, um die Meilensteine und Kuriositäten der letzen 20 Jahre zu zeigen.
 

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Die Autorin: Rebecca Niebusch
Die Autorin: Rebecca Niebusch

Die Autorin: Rebecca Niebusch

In Ostfriesland geboren und in Norddeutschland aufgewachsen, verbrachte Rebecca während der Schulzeit ein Austauschjahr in Iowa in den USA. Nach dem Abi reiste sie nach Kanada und jobbte dort als Bäckerin und im Supermarkt. Nach fünf Jahren Studium in Köln geht es jetzt nach Hamburg, wo sie sich beruflich im Journalismus austobt. Rebecca liebt Podcasts, TKKG, Urlaub in Dänemark, Late-Night-Shows und Interior Design.