Diese Lesetechniken für wissenschaftliche Literatur sollen für ein besseres Textverständnis sorgen (Foto: McKinsey/Rawpixel.com) Diese Lesetechniken für wissenschaftliche Literatur sollen für ein besseres Textverständnis sorgen (Foto: McKinsey/Rawpixel.com)
Wissenschaftliche Texte

Lesetechniken für ein besseres Textverständnis

Du hast einen wissenschaftlichen Text für ein Seminar an der Uni gelesen, aber verstanden hast du wenig? Diese Situation kennen vermutlich die meisten Studierenden, denn wissenschaftliche Ausführungen sind häufig ziemlich schwer zu verstehen. Damit deine Mühe nicht umsonst ist, stellt Pointer dir Lesetechniken für ein besseres Textverständnis vor.

1. Struktur erfassen

Statt direkt in den Text einzusteigen und mit dem Lesen zu beginnen, kann es hilfreich sein, dir erstmal einen Überblick über die Struktur des Textes zu verschaffen. Blättere durch das Dokument und schau dir Überschriften und Abbildungen an. Zusätzlich kannst du in der Einleitung nachschauen, was die Autorin oder der Autor in welchem Teil des Textes thematisiert. Die grobe Gliederung hilft dir dabei zu erfassen, worauf die Verfasserin oder der Verfasser hinaus will und wie die Kapitel aufeinander aufbauen. So kannst du beim Lesen viel einfacher die Zusammenhänge erkennen und die Aussagen miteinander verknüpfen. Das Gefühl in zusammenhangslosen Ausführungen zu schwimmen, vermeidest du mit dieser Technik.
 


2. Text in Absätze gliedern

Sobald du dir einen Überblick über die Struktur des Textes verschafft hast, gliedere ihn in Absätze. Entweder du übernimmst die Aufteilung der Autorin oder des Autors und du orientierst dich an den Zwischenüberschriften oder du entwickelst eigene Absätze. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn dir die vorhandenen Kapitel endlos vorkommen. Die Absätze könntest du zum Beispiel thematisch erstellen, nachdem du den Text das erste Mal überflogen hast. Bei dieser Technik geht es nicht nur darum, den Text in mehrere Teile zu zerlegen, sondern auch darum, ihn in diesen selbst gesteckten Etappen zu lesen. Nachdem du einen Absatz hinter dich gebracht hast, könntest du ihn zum Beispiel nochmal lesen oder überfliegen, bevor du mit dem nächsten Teil beginnst. So verfestigt sich das Gelesene besser, und du kannst die Inhalte später einfacher in einen größeren Zusammenhang bringen.
 


3. Mehrmals überfliegen

Du sitzt ewig an einem endlos scheinenden Text und weißt am Ende gar nicht mehr, mit welchen Aussagen der Artikel begonnen hat? Um das große Ganze im Blick zu behalten, kann es helfen, den wissenschaftlichen Text mehrmals zu überfliegen, anstatt ihn einmal langsam zu lesen. Beim Überfliegen bleibst du nicht an jeder komplizierten Formulierung hängen, sondern filterst automatisch die wichtigen Aussagen heraus. Außerdem wirst du merken, dass du jedes Mal ein wenig mehr vom Text verstehst und dir immer mehr wichtige Aspekte im Gedächtnis bleiben. So sparst du mit dieser Technik Zeit, verstehst den Text aber im Nachhinein sogar besser. Ein weiterer Vorteil: Dein Durchhaltevermögen wird nicht bis an die Grenze strapaziert und du bist für folgende Aufgaben wesentlich motivierter.
 


4. Fremdwörter vereinfachen

In wissenschaftlichen Texten bleiben Fremdwörter und Fachbegriffe nicht aus. Trotzdem sind sie in vielen Fällen nicht essenziell für das Verständnis des gesamten Textes. Bleib deswegen beim Lesen nicht an jedem Fremdwort hängen, dessen Bedeutung du nicht kennst. Oft erschließt sich bereits aus dem Kontext, was mit diesem Begriff gemeint sein könnte, und du kannst es in deinen Gedanken durch ein verständlicheres Wort ersetzen. Alternativ überliest du das unbekannte Wort einfach erstmal. Wenn sich beim zweiten oder dritten Überfliegen herausstellt, dass das Fremdwort Teil einer zentralen Aussage ist, kannst du es immer noch nachschlagen. Bei Fachbegriffen ist es empfehlenswert, dafür auch ein Fachlexikon zu Rate zu ziehen, und nicht nur ein gewöhnliches Fremdwörterbuch.
 


5. Sparsam markieren

Bei vielen Studierenden sieht man kunterbunte Texte mit Markierungen in den unterschiedlichsten Farben. Was bestimmt gut gemeint ist, bringt dir im Nachhinein meistens relativ wenig. Wenn du dir nach wenigen Tagen den Text nochmal anschaust, erkennst du keine Struktur bei deinen Markierungen mehr und kannst dadurch auch die zentralen Aussagen des Textes nicht herausfiltern. Setze deswegen Markierungen unbedingt sparsam ein und nimm den Textmarker erst beim zweiten Lese-Durchgang zur Hand. So verhinderst du, dass du Passagen markierst, ohne den Zusammenhang innerhalb des Textes zu kennen. Die wenigen Markierungen im Text sollen schließlich dazu beitragen, dass die Inhalte in Erinnerung bleiben, und nicht dazu, dass du noch verwirrter bist als vorher.
 


6. Kurze Notizen im Text

Neben sparsam eingesetzten Markierungen können dir auch kleine Notizen im Text dabei helfen, ein besseres Verständnis für die Inhalte zu entwickeln. Auch dabei solltest du besser bis zum zweiten Lese-Durchgang warten und nur kurze Stichpunkte oder zentrale Thesen an den Rand des Papiers schreiben. Das hilft dir zum einen dabei, dich tatsächlich auf die wichtigen Aussagen zu beschränken und die Zusammenhänge dadurch besser zu erfassen. Zum anderen musst du nicht nochmal den gesamten Text lesen, wenn du einige Wochen später für die Klausur lernst oder eine Hausarbeit schreibst, sondern brauchst nur einen Blick auf deine kurzen Notizen zu werfen.
 

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Die Autorin: Hannah Reuter
Die Autorin: Hannah Reuter

Die Autorin: Hannah Reuter

Hobbyköchin, Schoko-Junkie, Ordnungsfreak: In Hannover geboren und aufgewachsen, unternahm Hannah nach dem Abi eine Interrailreise quer durch Europa. Anschließend zog sie der Traum vom Journalismus in die Medienstadt Hamburg, wo sie seit 2018 Politikwissenschaft studiert. Sie liebt es zu reisen, erkundet momentan aber vor allem ihre Wahlheimat. Für Pointer schreibt Hannah über Themen rund ums Studium und den Uni-Alltag.