Helfen Achtsamkeitsübungen gegen Uni-Stress? (Foto: Katerina Jerabkova/Unsplash.com) Helfen Achtsamkeitsübungen gegen Uni-Stress? (Foto: Katerina Jerabkova/Unsplash.com)
Studi-Life

Uni-Stress: Helfen Achtsamkeit und Meditation? Ein Selbstversuch

Ich bin gestresst. Das sagen wahrscheinlich viele Studierende von sich, aber wenn nach vier Online-Vorlesungen noch ein 40-seitiger Text für das Seminar am nächsten Tag sowie die Vorbereitung einer Präsentation auf mich warten, fühlt es sich manchmal so an, als wäre ich die einzige, der alles über den Kopf wächst. Was ganz und gar nicht gegen Stress hilft, ist, dass ich eigentlich keine meiner Kommilitonen persönlich kenne und mich daher kaum über Workload, Überforderung und Aufgaben austauschen kann. Seit meiner Erstiwoche im Oktober des letzten Jahres habe ich den Campus meiner Uni nicht mehr gesehen. Und sind wir mal ehrlich: Über Zoom bilden sich nicht so einfach neue Freundschaften. Daher sitze ich also seit acht Monaten alleine an meinem Schreibtisch und stelle mir im studentischen Home-Office Fragen wie: Sollte ich das verstehen? Muss das so lange dauern? Schaffe ich das noch? Warum sind alle anderen so viel produktiver als ich? Schlafen oder Weiterlesen? Die Tage verschwimmen ineinander und ich habe das Gefühl, dass ich einfach immer weiter mache, ohne zu merken, wie es mir wirklich geht.
 

Seit einigen Jahren gibt es in den Medien eine Art Achtsamkeitsboom. Die Leute schwören auf Meditation, Yoga und Journaling und sagen, dass Morgenrituale gegen Alltagsblues helfen. Doch was ist Achtsamkeit eigentlich? Laut dem Deutschen Fachzentrum für Achtsamkeit (DFME) handelt es sich um ein besondere Form von Aufmerksamkeit, einen klaren Bewusstseinszustand, der es ermöglicht, gegenwärtige Reize ohne Urteil zu registrieren. Für mich hat Achtsamkeit viel damit zu tun, auf mich selbst, meinen Körper, meine Gedanken und Empfindungen zu hören, meine emotionalen sowie äußeren Erfahrungen zu registrieren. Dies führt hoffentlich zu Klarheit über mein Befinden, meine aktuelle Situation und darüber, wie ich mich tagtäglich gegenüber mir und anderen verhalten möchte.

Wenn ich den Begriff bei meiner liebsten Quelle in Sachen Inspiration - Pinterest - eingebe, dauert es nicht lange, bis Achtsamkeit in Verbindung mit Abbau von Stress auftaucht. Vielleicht kann Achtsamkeit auch mir bei meinem Uni-Stress helfen? Wie schaffe ich es, achtsamer durch mein Leben zu gehen? Nach einiger Recherche ist mir klar: Achtsam wird man nicht einfach so. Dafür sind Übungen nötig, die zum Glück im Netz zugänglich sind. Auf YouTube finde ich Yogaübungen, die mich mit meinem Körper in Einklang bringen sollen, Instagram ist voll mit Usern, die ihre Reise zu mehr Achtsamkeit dokumentieren, und sogar auf TikTok finde ich Videos, die zeigen, wie Menschen einen Glow-up erleben, weil sie Achtsamkeit praktizieren. Ein großes Thema ist stets die Meditation, aber auch Atemübungen und aktive Selbstreflexion scheinen eine Rolle zu spielen.
 


Da ich seit einigen Jahren Vinyasa-Yoga mache, kenne ich Meditation aus der Schlussentspannung. Genauer damit beschäftigt habe ich mich aber noch nie. Hier kommt der Online-Kurs "Meditation und Achtsamkeit" der Techniker Krankenkasse (TK) ins Spiel. Das zehnteilige, kostenlose Coaching verfolgt das Ziel, bei den Teilnehmenden die Fähigkeiten der Achtsamkeit Stück für Stück auszubauen, bis sie ganz selbstverständlich zu ihrem Alltag gehören. Eigentlich soll man sich für jeden Abschnitt eine Woche Zeit nehmen. Zum Zweck dieses Artikels versuche ich, den Kurs etwas schneller zu testen. Dabei schaue ich, wie sich das, was ich lerne, auf mein Leben und besonders auf meinen Stress im Rahmen der Uni auswirkt.
 


Der Kurs beginnt mit einem kurzen Selbsttest, der anhand weniger Fragen errechnet, wie achtsam ich momentan bin. Offensichtlich nicht besonders, denn mein Ergebnis lautet: "Geringe Achtsamkeit". Besonders in der Allegorie "Erleben von Dingen wie im Auto-Piloten" finde ich mich wieder. Danach geht es direkt mit der ersten Meditation los. Eine sonore Männerstimme erklärt, dass ich auf meinen Körper und meinen Atem achten soll. Es fällt mir zunchst schwer, dabeizubleiben, zuzuhören und nicht ins übliche Karussell meiner Gedanken abzuschweifen. Und doch habe ich nach den fünf Minuten das Gefühl, kurz die Pause-Taste gedrückt zu haben. Wann sitzt man schon mal einfach minutenlang mit geschlossenen Augen auf einem Stuhl und tut gar nichts? Eine ungewohnte Situation. Gut gefällt mir, dass ich im Anschluss direkt Tipps bekomme und so lerne, dass Gedanken während der Meditation ganz normal sind und die Kunst darin besteht, sie wertungslos kommen und gehen zu lassen.

In den folgenden Tagen wiederhole ich die Übung des bewussten Sitzens und Atmens regelmäßig. Dabei fällt mir auf, dass ich die Bedeutung des Atmens bisher unterschätzt habe. Wenn man wirklich darüber nachdenkt, ist Atmen das einzige, was ein gesunder Mensch sein Leben lang jeden Tag, jede Minute durchgehend tut. Eine Konstante, egal in welcher Situation. In dieser Realisation liegt für mich etwas sehr Beruhigendes. Auch wenn ich vieles in meinem Alltag nicht kontrollieren kann und Überforderung empfinde - auf meinen Atem kann ich mich immer verlassen.

Ich glaube es ist wichtig, die Achtsamkeitsübungen nicht zur lästigen Aufgabe werden zu lassen, die täglich abgehackt werden muss. Deshalb habe ich mich auch dagegen entschieden, eine feste Zeit einzuplanen, zu der ich täglich meditiere. Ich finde es besser, wenn ich in Stresssituationen realisiere, dass ich gestresst bin, und dann direkt aktiv dagegen angehe. Und das klappt tatsächlich: Der Dienstag ist mein längster Unitag, an dem ich in vier verschiedenen Vorlesungen und Seminaren sitze. Dabei fühlt es sich immer an, als hätte ich eine unschaffbare Menge an Dingen zu erledigen und als müsste ich noch mehr Zeit in mein Studium stecken. Diese Woche habe ich mich nach dem letzten Zoom-Call für zehn Minuten still hingesetzt und auf meine Atmung geachtet. Danach war mir ganz leicht zumute. Ich habe mir erfolgreich eingeredet, dass alles machbar ist und ich das schon schaffe.




Nach etwa einer Woche meines Experiments habe ich mir angewöhnt, jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen für zehn Minuten zu meditieren. Dafür mache ich mir meistens akustische Musik an, setze mich im Bett in den Schneidersitz, achte auf meine Atmung und versuche, meinen Körper und meine Gedanken bewusst wahrzunehmen. Danach fühle ich mich richtig im Tag angekommen, kann aus dem Bett springen und bin motiviert, ohne Stress in meinen Alltag zu starten. Es fühlt sich ganz anders, als wenn ich nach dem Aufwachen zuerst durch Social Media scrolle.

Außerdem lerne ich in den Wissenstexten des Coachings, wie wichtig es ist, den eigenen Körper sowie die Umgebung, zum Beispiel die Geräusche, bewusst wahrzunehmen. Besonders die Übung Body Scan empfinde ich als sehr wohltuend. Denn wie schlimm kann mein Uni-Stress schon sein, wenn ich einen gesunden Körper habe, für den ich dankbar bin? Apropos Stress: Statt diesen immer als entschuldigende Floskel zu benutzen, setze ich mich zum ersten Mal konkret mit ihm auseinander. In einem Selbsttest denke ich darüber nach, wie genau sich das Gefühl äußert, wo ich es spüre und was dagegen hilft. Der Kurs der TK gibt mir das Werkzeug an die Hand, das ich in meinem Uni-Alltag benutzen kann. Wenn mir alles zu viel wird, atme ich tief durch und versuche, darauf zu achten, wie meine Situation gerade ist. Was genau fühle ich, was höre, sehe und rieche ich? Dadurch bekomme ich einen neuen Fokus und kann überlegen, wie ich damit am besten umgehe. Ich sehe dann nicht mehr das lähmende Bild eines unschaffbaren Bergs an Verpflichtungen, sondern kann einen konkreten Plan machen und mit einer Tätigkeit loslegen. Seit dem Beginn meines Experiments prokrastiniere ich dadurch weniger.
 


Achtsamkeit zu lernen, ist ein Prozess, der länger als ein paar Wochen dauert. Wahrscheinlich kann ein Mensch darin sein Leben lang besser werden. Ich habe erlebt, dass es mit der Meditation und dem bewussten Erleben mal besser und mal nicht so gut klappt. Es ist tagesformabhängig und kommt zudem darauf an, wie sehr einem die jeweilige Übung liegt. Denn Meditation ist nicht gleich Meditation und kann immer einen anderen Fokus haben. Am wichtigsten erscheint mir, die Form der Achtsamkeit zu finden, die für mich in einem bestimmten Moment zu mir passt und hilfreich ist. Dafür gibt der Online-Kurs der TK mir einen guten Einblick in die verschiedenen Facetten des komplexen Themas. Allgemein habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mich weniger ablenken, stressen und überfordern lasse, wenn ich Meditation in meinen Tag einbaue und mich immer wieder an die wichtigen Prinzipien erinnere. Daher bin ich motiviert, weiterzumachen und Achtsamkeit noch stärker zu verinnerlichen.

Dieser Artikel wird präsentiert von unserem Gesundheitspartner Die Techniker.

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Die Autorin: Hanna Kunst
Die Autorin: Hanna Kunst

Die Autorin: Hanna Kunst

Sonnenliebhaberin, Lockenkopf, Enthusiastin – Hanna wuchs am Rand von Hamburg auf und schätzt das Landleben ebenso wie den Trubel der Hansestadt. Seit 2020 studiert sie Kulturwissenschaften in Lüneburg und findet dabei Medientechnik und Stadtplanung besonders spannend. In ihrer Freizeit hört sie gern Livemusik, probiert neue Rezepte aus, macht Yoga und fotografiert analog. Für Pointer schreibt Hanna über Lifestyle-Themen und führt als Reporterin Interviews.