Wie lassen sich Studium und Kind unter einen Hut bringen? Pointer hat bei einer jungen Mutter nachgefragt (Symbolfoto: Paul Hanaoka/Unsplash.com) Wie lassen sich Studium und Kind unter einen Hut bringen? Pointer hat bei einer jungen Mutter nachgefragt (Symbolfoto: Paul Hanaoka/Unsplash.com)
Eltern an der Uni

Studieren mit Kind – wie funktioniert das?

"Wie soll ich das bloß alles schaffen?" - diese Frage stellen sich Studierende immer wieder: Beim Lernen in der Prüfungsphase, im Stress der nahenden Abgabefrist der Hausarbeit oder beim Versuch, die Seminare und Vorlesungen mit Hobbys und Freunden unter einen Hut zu bringen. Eine Gruppe von Studis muss sich zusätzlich noch damit auseinandersetzen, wie sich die Zeit an der Uni mit ihrer Rolle als Elternteil verträgt. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks haben sechs Prozent der Studierenden in Deutschland ein oder mehrere Kinder. Was müssen Eltern beim Studium beachten und wo bekommen sie Hilfe? Pointer hat mit Janna-Lea gesprochen, die Studentin und Mutter ist, und sie gefragt, welche Erfahrungen sie mit Kind an der Uni gemacht hat.

"Als Studierende ist man nie fertig mit der Arbeit"

Janna-Lea war gerade im zweiten Semester ihres Bachelors in Biowissenschaften, als sie mit ihrem ersten Kind schwanger wurde. Im vierten Semester kam ihre Tochter zur Welt. Nachdem sie ihren Master in der Tasche hat, studiert sie jetzt Deutsch und Sachunterricht auf Grundschullehramt in Osnabrück. Letztes Jahr in ihrem Urlaubssemester wurde sie zum zweiten Mal Mutter.

Der Studienalltag ist als Mama besonders stressig. "Als Studierende ist man nie fertig mit der Arbeit. Die Zeit, in der keine Seminare oder Vorlesungen stattfinden, müsste man zum Vor- oder Nacharbeiten nutzen, zum Lernen für Klausuren und Hausarbeitenschreiben", sagt die 30-Jährige. "Das verstehen Kinder aber nicht. Wenn die Eltern zu Hause sind, wollen die Kinder auch Zeit mit ihnen verbringen. Das führt dazu, dass ich immer ein schlechtes Gewissen habe."

Ein Urlaubssemester nehmen

Ab der Geburt des Kindes bis zum dritten Lebensjahr kann man sich vom Studium beurlauben lassen. Dabei besteht Anspruch auf ein Semester für den Mutterschutz und sechs Semester für die Dauer der gesetzlichen Elternzeit. Urlaubssemester musst du jedes Semester neu beantragen. Sie zählen nicht zur Regelstudienzeit, aber du bleibst immatrikuliert und zahlst den Semesterbeitrag. Ganz wichtig: Im Urlaubssemester besteht kein Anspruch auf BAföG. Mehr Informationen zur Beurlaubung erhältst du beim Studierendenservice deiner Universität.

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Mit Baby in die Vorlesung?

Bei ihrer ersten Schwangerschaft 2013 hatte Janna-Lea einen Termin bei der Studienberatung. "Allerdings konnte mir nicht großartig geholfen werden. Weder bei der Kita-Suche, noch bei der Wohnungssuche konnten mir Hilfsangebote gemacht werden", sagt sie. Damals sei sie größtenteils auf sich allein gestellt gewesen. Ihr Partner beendete damals in einer anderen Stadt sein Studium, sodass die beiden sich nur am Wochenende sahen.
 


Eine Situation ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: "Sechs Wochen nach der Geburt meiner ersten Tochter wollte ich einen Kurs nachholen, den ich in der Schwangerschaft aufgrund von starker Übelkeit und Müdigkeit nicht bestanden hatte. Der Kurs war in einem Block von zwei Wochen organisiert, der nur einmal im Jahr stattfindet. Es gab also keinen Ausweichtermin", erklärt sie. "Vor der ersten Vorlesung bin ich zum Professor gegangen, um ihn zu fragen, ob es okay ist, dass ich mein Kind dabei habe." Die Antwort des Profs: "Hat das Kind denn keinen Vater?" Janna-Lea sagt, sie sei völlig perplex gewesen. "Ich meinte nur: 'Der Vater kann nicht aufpassen, und ich verlassse den Saal sofort, wenn ich merke, dass mein Kind unruhig wird.' Heute würde ich ganz anders handeln. Meine Tochter war sechs Wochen alt, und es war mein Recht, sie mitzunehmen. Damals habe ich mich jedoch nicht getraut, dem Professor etwas zu entgegnen. Zumal er auch noch der Vorsitzende des Prüfungsschusses war."

Für Janna-Lea ist das Schwierigste am Studieren mit Kind, dass seitens der Institution immer noch keinerlei Rücksicht auf die Betreuungszeiten der Kinder genommen werde. "Momentan habe ich wieder das Problem, dass ein Kurs, den ich unbedingt belegen muss, montags von 18 bis 20 Uhr stattfinden soll. Nach Corona das erste Mal wieder in Präsens. Einen Alternativtermin gibt es nicht."
 


So organisieren sich Studierende mit Kindern

Diese Defizite muss die junge Frau mit optimaler Selbstorganisation kompensieren. "Soweit es irgendwie geht, versuche ich, meine Kurse in die Betreuungszeiten zu legen", sagt sie. "Ich bereite die Kurse direkt nach, damit ich am Ende des Semesters nicht so viel zu lernen habe. Der Haushalt bleibt leider oft liegen, da mir Zeit mit meinen Kindern und für mein Studium wichtiger ist."
 


Schwierigkeiten bekomme die Osnabrückerin häufig zum Ende des Semesters, wenn Klausuren und Hausarbeiten anstehen. "Ich bin schon oft an meine Grenzen gekommen; auch körperlich. Ich muss häufig Schlaf einsparen, um überhaupt noch Zeit zum Lernen zu haben", sagt sie. "Gott sei Dank ist die schlimme Zeit meistens nur sechs bis acht Wochen lang." Insgesamt lerne sie dadurch auch weniger als ihre Kommilitonen und schreibe dementsprechend schlechtere Noten, als sie eigentlich könnte. "Ich bin dazu gezwungen, immer abzuwägen, was wichtiger ist. Zwischen den Kursen, aber auch zwischen der Zeit für meine Kinder und der Uni."

Janna-Lea kennt andere Studierende mit Kindern, die alle mehr oder weniger mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben: "Wie lege ich meine Kurse in die Betreuungszeiten? Wie schaffe ich es, an Pflichtkursen teilzunehmen, die nicht in der Betreuungszeit liegen? Wie schaffe ich mir Freiraum zum Lernen? Wann muss ich die Signale meines Kindes ernst nehmen, dass es wieder mehr Zeit mit mir braucht?" Über diese Fragen tauschen sich viele heutzutage über Social Media aus. In Facebook-Gruppen wie "Studieren mit Kind" können (werdende) Eltern ihre Fragen an andere Betroffene stellen oder sich über das Mentoring-Programm sogar von einem anderen Gruppenmitglied eins-zu-eins beraten lassen.

Welche Hilfsangebote gibt es für Studis mit Kindern?

Eine Anlaufstelle sind die Studierendenwerke der Unis. Bundesweit betreiben 55 Studentenwerke 209 Kindertagesstätten mit gut 9.100 Plätzen. Bei einigen Studierendenwerken gibt es darüber hinaus noch weitere Angebote: 50 Studentenwerke bieten beispielsweise in den Wohnheimen auch Familienwohnungen an. In den Mensen von 39 Studentenwerken essen Kinder kostenlos. Und 37 Studentenwerke bieten Informationsveranstaltungen für Studierende mit Kind und für Schwangere an. Betreuungsangebote am Wochenende gibt es laut dem Deutschen Studentenwerk an fünf Hochschulen.


Kinderkriegen im Studium - der perfekte Zeitpunkt?

"Mit einem Baby zu studieren, fand ich tatsächlich noch recht einfach", sagt Janna-Lea. "Als mein Kind vier Jahre alt war und es mir ständig sagte, dass ich ihm fehle und es mehr Zeit mit mir haben möchte, ab da wurde es wirklich schwer für mich. Ich bin gespannt, wie es jetzt mit zwei Kindern laufen wird."

Ihr wichtigster Tipp: Ein stabiles Umfeld aufbauen. "Man braucht gute Freunde, die auch mal kurzfristig einspringen können, wenn die Hütte brennt." Eine gute Organisation sei aber ebenso wichtig. "Man sollte das ganze Semester zum Lernen nutzen, ansonsten schafft man die Klausuren am Ende nicht. Meiner Erfahrung nach werden Kinder nämlich immer zwei Tage vor einer wichtigen Prüfung krank."

Die Finanzierung

Welche finanzielle Unterstützung du bekommst, ist individuell verschieden - je nachdem, ob du BAföG-berechtigt bist oder welche Einkünfte du sonst hast. Wende dich am besten an die Studienberatung der Uni und dein zuständiges BAföG-Amt. Wenn du BAföG beziehst, bekommst du zusätzlich einen Kinderbetreuungszuschlag von 130 Euro im Monat pro Kind. Außerdem kann die Förderungshöchstdauer verlängert werden. Im Urlaubssemester entfällt das BAföG allerdings.

Studierende haben außerdem nach der Geburt eines Kindes Anspruch auf Elterngeld. Elterngeld ist eine Lohnersatzleistung und soll den Verdienstausfall während des ersten Jahres nach der Geburt des Kindes auffangen. Es entspricht 65 bis 100 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens der letzten zwölf Monate vor der Geburt, jedoch mindestens 300 Euro. Weitere Informationen zur Finanzierung des Studiums mit Kindern erhältst du auf dem Portal des Bundesfamilienministeriums (BMFSJ).


Nicht mehr das typische Studentenleben

Auch abseits des Studiums hat das Muttersein das Leben der gebürtigen Bad Iburgerin verändert: Ihr Hobby, das Reiten, gab sie in der ersten Schwangerschaft auf. "Ich hatte Angst zu fallen und dem Baby zu schaden", sagt sie. "Feiern gehen war auch nicht mehr so toll, wenn man nicht mittrinken konnte. Oft wurde ich auch gar nicht mehr eingeladen. Ich war ja nur noch als 'die Schwangere' bekannt." Inzwischen hat sie aber neue Hobbys gefunden. Nach ihrer Bachelorarbeit fing sie an, im Chor zu singen: "Mittlerweile sind mir diese Abende heilig. Zweieinhalb Stunden nur für mich, einfach als eine von vielen – und ohne, dass besondere Ansprüche an mich gestellt werden."
 


"Meine erste Tochter ist der Grund, warum ich mein Studium überhaupt geschafft habe"

Das Studium mit Kind hat Janna-Lea einiges beigebracht. "Meine erste Tochter ist der Grund, warum ich mein Studium überhaupt geschafft habe", sagt sie. "Ich war damals vor der Schwangerschaft sehr unorganisiert und unreif. Ich habe mein Leben und mein Studium nicht besonders ernst genommen", erinnert sie sich. "Mit meiner Tochter habe ich einen Grund gehabt, mein Studium ernst zu nehmen. Und ich bin sehr stolz darauf, wie ich es damals durchgezogen habe. Das hätte ich ohne meine Tochter definitiv nicht geschafft."
 

Dieser Artikel wird präsentiert von unserem Gesundheitspartner Die Techniker.

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Die Autorin: Rebecca Niebusch
Die Autorin: Rebecca Niebusch

Die Autorin: Rebecca Niebusch

In Ostfriesland geboren und in Norddeutschland aufgewachsen, verbrachte Rebecca während der Schulzeit ein Austauschjahr in Iowa in den USA. Nach dem Abi reiste sie nach Kanada und jobbte dort als Bäckerin und im Supermarkt. Nach fünf Jahren Studium in Köln geht es jetzt nach Hamburg, wo sie sich beruflich im Journalismus austobt. Rebecca liebt Podcasts, TKKG, Urlaub in Dänemark, Late-Night-Shows und Interior Design.