Jugendliche mit dunkler Hautfarbe erfahren in Deutschland oft Alltagsrassismus (Foto: Oliver Ragfelt on Unsplash) Jugendliche mit dunkler Hautfarbe erfahren in Deutschland oft Alltagsrassismus (Foto: Oliver Ragfelt on Unsplash)
Neue Studie

Jugendliche mit dunkler Hautfarbe erleben Alltagsrassismus am häufigsten

Sieben von zehn Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte haben Alltagsrassismus erfahren. Dabei ist die Tendenz erkennbar: Je dunkler die Hautfarbe, desto höher die Wahrscheinlichkeit, von Alltagsrassismus betroffen zu sein. Fast alle der befragten Sechs- bis 19-Jährigen mit dunklerer und dunkler Hautfarbe sehen sich mit Formen von Alltagsrassismus konfrontiert. Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) befragte für seine neue Studie 1.461 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 19 Jahren. Hinzu kommen 22 Fallstudien, die einen tieferen Blick in die Situation der Betroffenen und das Erleben von Alltagsrassismus in Deutschland bieten.




Fast zwei von fünf Kindern und Jugendlichen in Deutschland (39 Prozent) haben einen Migrationshintergrund, 70 Prozent von ihnen haben einen deutschen Pass. Sie gehören zu Deutschland, doch nur 37 Prozent würden sich selbst als "Deutsche" bezeichnen. Heranwachsende mit Zuwanderungsgeschichte, insbesondere jene mit dunkler Hautfarbe, erfahren Alltagsrassismus. Was das im Einzelnen bedeutet, zeigt die neue IZI-Studie.
 


Befragt wurden 1.461 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 19 Jahren, darunter 491 mit Migrationshintergrund. Um die Zusammenhänge noch tiefergehend zu verstehen, wurden 22 Einzelfallstudien durchgeführt, in denen Kinder zwischen acht und zwölf Jahren von ihren Erfahrungen und ihrem Erleben von Alltagsrassismus erzählten. Insgesamt haben sieben von zehn Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte Alltagsrassismus erfahren mit der Tendenz: Je dunkler die Hautfarbe, desto höher die Wahrscheinlichkeit, von Alltagsrassismus betroffen zu sein. Fast alle Sechs- bis 19-Jährigen mit dunklerer und dunkler Hautfarbe werden mit Formen von Alltagsrassismus betroffen. Hier ist dringend mehr Schulung und Sensibilität von Lehrkräften – aber auch von Schülerinnen und Schülern – gefragt.
 


Häufigste Formen von Alltagsrassismus: "Wo kommst du wirklich her?"

Es ist eine scheinbar ganz harmlose Frage, die oftmals aus Neugier oder beim Smalltalk gestellt wird. So harmlos die Frage auch gemeint sein mag, beinhaltet sie unterschwellig doch: "Du bist anders" und "Du kannst nicht von hier kommen". Die Forschung bezeichnet dies als "Mikroaggressionen", durch die Kinder und Erwachsene immer wieder – oft unbewusst – ausgegrenzt werden. Mehr als sieben von zehn Heranwachsenden mit dunkler Hautfarbe bekommen diese Frage immer wieder gestellt, wobei die Antworten "Aus Bayern" oder "Aus Berlin" nicht akzeptiert werden. Neun von zehn Kindern und Jugendlichen mit dunkler Hautfarbe empfinden z. B. die Frage, ob sie schon immer in Deutschland lebten bzw. wo sie wirklich herkämen, als sehr negativ und ausgrenzend.
 


"Du kannst aber gut Deutsch sprechen!"

Während bei sieben von zehn weißen Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte eine solche Aussage als Kompliment ankommt, empfinden acht von zehn Heranwachsenden mit dunkler Hautfarbe diese Aussage als negativ. Insbesondere dann, wenn Kinder und Jugendliche in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und Deutsch ihre Muttersprache ist, ist diese unreflektierte Aussage von Lehrkräften verletzend.
 


"Du bist hässlich!"

Fast sieben von zehn Kindern mit dunklerer Hautfarbe (67 Prozent) wurde schon einmal gesagt, dass sie hässlich seien, meist aufgrund ihrer Hautfarbe und ihrer Haare. Auch Kinder ohne Zuwanderungsgeschichte erfahren solche Abwertungen, allerdings nur 23 Prozent der Befragten. Mehr als neun von zehn Heranwachsenden mit sehr dunkler Hautfarbe fühlen sich als fremd wahrgenommen.




"Du gehörst nicht zu Deutschland. Geh zurück in dein Land. Geh sterben."

Das sagte ein älterer Schüler zu Aabid aus Syrien, als der heutige Neunjährige in der ersten Klasse war. Äußerungen, dass die Kinder und Jugendlichen in das Land zurückgehen sollten, aus dem sie gekommen sind, stellen die häufigste Form von Beschimpfung dar. Die zweithäufigste Form sind Beleidigungen in Bezug auf eine türkische Zuwanderungsgeschichte, gefolgt von allgemeinen Beschimpfungen als "Ausländer".
 


71 Prozent aller Beschimpfungen kommen von Mitschülern

Sieben von zehn Beschimpfungen kommen von anderen Kindern und Jugendlichen. Subtilere Formen von Alltagsrassismus kommen u. a. von Lehrkräften, was von den Betroffenen noch einmal mehr als verletzende Abwertung empfunden wird.

Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen

Körperliche Angriffe erleben Jungen mit Zuwanderungsgeschichte fast doppelt so häufig wie Mädchen. Auch Beschimpfungen, Witze oder Vorurteile aufgrund ihrer Herkunft erleben Jungen häufiger als Mädchen. Mädchen werden hingegen häufiger als Jungen gefragt, ob ihre Haare angefasst werden dürften, was alle Befragten mit dunkler Hautfarbe als unangenehm empfinden. Insgesamt wird deutlich, wie sehr Heranwachsende von Alltagsrassismus betroffen sind – als Täter und Opfer.

[PA]

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