Studierende berichten, wie sie den Umstieg von Online- auf Präsenzlehre erlebt haben (Foto: Priscilla Du Preez/Unsplash.com) Studierende berichten, wie sie den Umstieg von Online- auf Präsenzlehre erlebt haben (Foto: Priscilla Du Preez/Unsplash.com)
Wintersemester 2021/22

Plötzlich Präsenz: So erleben Studierende den Umstieg

Nach eineinhalb Jahren coronabedingtem Online-Studium hat für viele Studierende mit diesem Wintersemester wieder der Präsenzbetrieb an Universitäten und Hochschulen begonnen. Dabei variieren die Modelle der Lehre von Bundesland zu Bundesland sowie von Campus zu Campus stark. Immer bedeutet die neue Situation eine deutliche Umstellung für die Studis. Wie war es für sie, nach so langer Zeit wieder oder sogar zum ersten Mal in den Räumen der Unis zu sein? Wie erlebten sie es, ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie die Lehrenden plötzlich live zu sehen und trotz Corona so ähnlich zu studieren, wie es vor der Pandemie war?

Maria (Name von der Redaktion geändert) studiert im dritten Semester an der Leuphana Universität Lüneburg in Niedersachsen. Ihre Uni hat Anfang Oktober komplett auf Präsenzlehre umgestellt und bietet nur in besonderen Einzelfällen Seminare oder Vorlesungen online an. Die Studentin der Kulturwissenschaften sagt: "Für mich war der Umstieg auf Präsenzlehre richtig toll. Ich habe schon vor dem Semester auf dem Campus gewohnt, und das ganze Unigelände war immer total leer. Umso mehr genieße ich jetzt das soziale Leben." Weiter erzählt sie: "Zwischen den Vorlesungen in die Mensa zu gehen, sich in ein Café zu setzten und zusammen an Referaten zu arbeiten, hat die Motivation für die Uni sehr gesteigert. Wenn man mit dem Computer im WG-Zimmerchen hockt und man auch einfach aus dem Bett studieren könnte, fällt es mir schwerer, mich zu konzentrieren. Ich habe dieses Semester mehr von den Inhalten mitgenommen als in der Onlinelehre."
 


Die vielen neuen Möglichkeiten, den Alltag zu füllen, können auch negative Auswirkungen haben. Marias Kommilitonin Leonie (Name von der Redaktion geändert) erzählt, dass der Umstieg für sie einerseits aufregend und andererseits anstrengend gewesen sei. "Ich habe mir zu viel vorgenommen und mich selbst unter Druck gesetzt, jeden Tag zur Uni zu gehen, obwohl ich erschöpft war und krank geworden bin", sagt die 21-Jährige. Wenn die Lehre digital stattfindet, fallen Wegzeiten und das Verquatschen zwischen den Veranstaltungen weg. Jetzt mussten viele Studierende ihr Zeitmanagement ganz neu planen und dem Wunsch widerstehen, alles gleichzeitig machen zu wollen, um nachzuholen, was in den letzten Semestern nicht ging. Auch Maria erinnert sich: "Ich musste mich daran gewöhnen, dass ich nicht mehr kochen kann, während ich Vorlesungen höre, sondern dafür Zeit einplanen muss, bevor ich zur Uni gehe." Genauso könne sie ihren Laptop nicht jederzeit laden, weil nicht jeder Hörsaal genügend Steckdosen hat. In Reaktion auf die aktuell steigenden Infektionszahlen sind seit Ende November alle Lehrenden an Marias und Leonies Hochschule wieder angehalten, ihre Veranstaltungen auch digital zu übertragen. Den Studierenden ist es freigestellt, in die Uni zu kommen oder von zuhause zu studieren.
 


Bei einigen Studentinnen und Studenten hat sich zudem ein neuer Umgang mit Krankheit etabliert. Wo man vor der Pandemie einfach im Bett blieb und später versucht hat, die Inhalte nachzuarbeiten, vermisst Leonie jetzt die Möglichkeit, im Zweifelsfall hybrid an Vorlesungen teilnehmen zu können. Nicht nur, um sich selbst zu schonen, sondern auch, um ihre Mitmenschen nicht anzustecken.

Die Coronamaßnahmen an ihrer Uni finden die beiden Studentinnen grundlegend gut. Vor jeder Veranstaltung werden die 3G-Beweise aller Teilnehmenden kontrolliert. Bei kleineren Seminaren übernehmen das die Lehrpersonen, vor den großen Hörsälen steht eine Sicherheitsfirma. Dann registrieren sich alle mit einem uniinternen QR-Code-System in dem jeweiligen Raum. Die Studierenden tragen Masken, und es wird viel gelüftet. Dazu sagt Leonie: "An manchen Stellen wird nicht genau genug kontrolliert, aber ich habe das Gefühl, dass alle sich Mühe geben. Die Studentinnen und Studenten halten sich an alle Vorgaben." Maria würde sich noch sicherer fühlen, wenn es für alle verbindlich wäre, sich trotz Impfung oder Genesung in regelmäßigen Abständen testen zu lassen. "Bis jetzt gab es erst einen positiven Fall in einer meiner Vorlesungen, bei dem sich auch niemand anderes angesteckt hat", berichtet sie. In Anbetracht der aktuellen Situation achten die beiden laufend darauf, wie sich die Vorgaben verändern.
 


"Die ganzen Kleinigkeiten, die zwischen dem Lernen passieren, würde ich besonders vermissen, wenn es wieder zur Onlinelehre kommen muss", meint Maria. "Nach dem Seminar nochmal kurz zusammenstehen und über den Stoff zu reden, hilft total. Ich merke, dass ich nicht die einzige bin, die manchmal nicht mitkommt. Das ist total empowerend." Aber auch dem Onlinestudium gewinnt sie Vorteile ab: den positiven Aspekt, nicht an einen Ort gebunden zu sein, zum Beispiel. "Ich konnte ohne Probleme auch mal für eine Woche in die Heimat fahren, und auch im Haushalt habe ich viel mehr geschafft. Aufräumen bleibt jetzt oft auf der Strecke. Aber an sich bin ich doch total froh, dass wir gerade Präsenz haben", sagt sie. "Mal sehen, wie lange das noch geht."

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Die Autorin: Hanna Kunst
Die Autorin: Hanna Kunst

Die Autorin: Hanna Kunst

Sonnenliebhaberin, Lockenkopf, Enthusiastin – Hanna wuchs am Rand von Hamburg auf und schätzt das Landleben ebenso wie den Trubel der Hansestadt. Seit 2020 studiert sie Kulturwissenschaften in Lüneburg und findet dabei Medientechnik und Stadtplanung besonders spannend. In ihrer Freizeit hört sie gern Livemusik, probiert neue Rezepte aus, macht Yoga und fotografiert analog. Für Pointer schreibt Hanna über Lifestyle-Themen und führt als Reporterin Interviews.