Das Impostor-Syndrom wird im Deutschen auch als "Hochstapler-Syndrom" bezeichnet. Pointer erklärt, was sich hinter dem Begriff verbirgt und wie Betroffene Hilfe finden (Foto: Spencer Backman/Unsplash.com) Das Impostor-Syndrom wird im Deutschen auch als "Hochstapler-Syndrom" bezeichnet. Pointer erklärt, was sich hinter dem Begriff verbirgt und wie Betroffene Hilfe finden (Foto: Spencer Backman/Unsplash.com)
Hochstapler-Syndrom

Das Phänomen Impostor-Syndrom im Studium

Selbstzweifel gehören für frischgebackene Studenten oft zum Unialltag. "Was mache ich eigentlich hier?" oder "Bin ich überhaupt intelligent genug für mein Studienfach?" fragen sie sich. Menschen, die unter dem sogenannten Impostor-Syndrom leiden, stellen sich diese oder ähnliche Fragen nahezu ständig und bekommen dadurch ernste Probleme in ihrem Alltag. In einer Studie der Brigham Young University waren rund 20 Prozent der Teilnehmenden von dem Syndrom betroffen. Aber was ist das Impostor Syndrom genau – und was hilft gegen die quälenden Gefühle?

Was ist das Impostor-Syndrom?

Das Impostor-Syndrom wird im Deutschen auch als "Hochstapler-Syndrom" bezeichnet. Den Begriff haben die amerikanischen Psychologinnen Pauline R. Clance und Suzanne A. Imes in den 1970ern eingeführt. Damit sind Menschen gemeint, die große Leistungen erbringen, aber an ihren Fähigkeiten zweifeln. Ihren Erfolg schieben sie externen Faktoren wie Zufall oder Glück zu. Die beiden Wissenschaftlerinnen haben damals erfolgreiche, berufstätige Frauen befragt. Sie stellten dabei fest, dass viele der Befragten selbst ihre Leistungen nicht für überdurchschnittlich gut hielten. Sie glaubten nämlich, dass sie Hochstaplerinnen seien und ihre Kompetenz von anderen überschätzt werde. Dadurch standen die Betroffenen so sehr unter Druck, dass sie immer in der Angst lebten, irgendwann "aufzufliegen". Infolgedessen bemühten sich viele, noch bessere Leistungen zu erbringen, und arbeiteten bis zur Erschöpfung.
 


Das Hochstapler-Syndrom an der Uni

Die Forschung zum Impostor-Syndrom steckt noch in den Kinderschuhen. Offizielle Zahlen zu Betroffenen gibt es nicht. "Gerade bei Studierenden tritt das Phänomen häufig auf", erklärt Expertin Birgit Spinath gegenüber dem "Spiegel". Die Professorin unterrichtet Psychologie an der Universität Heidelberg und forscht zu dem Thema. Insbesondere der Beginn des Studiums ist laut Spinath für viele mit einer großen Unsicherheit verbunden. Im neuen Umfeld sei vielen nicht klar, wo sie hingehören. Gerade bei leistungsstarken Studierenden mit einem geringen Selbstwertgefühl schlichen sich Zweifel ein. Bei einer starken Ausprägung könne das ähnlich belastend werden wie eine psychische Erkrankung, also etwa eine Angststörung oder ein Burnout, meint Spinath.
 


Was du gegen die Selbstzweifel tun kannst

Wie kann man Selbstzweifel stoppen, bevor man aus dem Gedankenkarussell nicht mehr herauskommt? Hier hat Spinath eine Übung. Die Studenten sollten überlegen: "Wie wahrscheinlich ist es, dass es Glück war, wenn ich mehrere Erfolge hatte?" Außerdem kann es helfen, zu wissen, dass Menschen, die man selbst für kompetent hält, auch an dem Syndrom leiden. Dazu sollten Betroffene Rücksprache mit Kommilitonen, Kollegen und Freunden halten. Anderen hilft es, ein Erfolgstagebuch zu führen. Dabei notieren Studierende regelmäßig, wenn sie positives Feedback bekommen oder eine besondere Leistung erbracht haben. Sind die Selbstzweifel wieder übermächtig, hilft der Blick in das Tagebuch.

Eine Strategie von Unternehmenscoach Melody Wilding: Erkennen, benennen, umformulieren. Eine Beispiel-Situation: Du musst gleich in deinem Seminar einen Vortrag über ein besonders kompliziertes Thema halten und bist total aufgeregt. Die negativen Gedanken überschlagen sich. Dieses Erkennen ist der erste Schritt. Was passiert gerade in deinem Kopf? Wovor fürchtest du dich? Benenne deine Ängste. Formuliere nun die Gedanken um: Was würde deine beste Freundin oder die vertraute Kollegin jetzt sagen? Wenn du dies einmal durchspielst, gewinnst du die Kontrolle zurück.

Wann sollte man sich Hilfe suchen?

Du kommst aus den negativen Gedanken gar nicht mehr heraus? Dann solltest du dir fachliche Hilfe holen, etwa bei der psychologischen Beratungsstelle der Universität. Hier bekommst du kostenfrei Hilfe in Krisensituationen. Auch dein Hausarzt oder deine Hausärztin stellt einen guter Anlaufpunkt dar.

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Die Autorin: Rebecca Niebusch
Die Autorin: Rebecca Niebusch

Die Autorin: Rebecca Niebusch

In Ostfriesland geboren und in Norddeutschland aufgewachsen, verbrachte Rebecca während der Schulzeit ein Austauschjahr in Iowa in den USA. Nach dem Abi reiste sie nach Kanada und jobbte dort als Bäckerin und im Supermarkt. Nach fünf Jahren Studium in Köln geht es jetzt nach Hamburg, wo sie sich beruflich im Journalismus austobt. Rebecca liebt Podcasts, TKKG, Urlaub in Dänemark, Late-Night-Shows und Interior Design.